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dagegen ist nicht gewöhnlich und kann nicht einfach 
gewohnheitsmässig übersehen werden. 
Die Architektur des Kunstmuseums ist anders und 
damit beunruhigend. Sie ist ein Körper mit starker 
Ausstrahlung, die unmittelbar die Sinne berührt. Hin- 
ter den fast fensterlosen Mauern scheint sie ein Ge- 
heimnis zu verbergen, das sie nicht ohne weiteres 
preisgeben will. Auch das Innere ist ungewöhnlich 
  
mit den gegenläufigen Treppen, den verschobenen 
Ebenen und den variierten Raumhöhen. Der Besu- 
cher entdeckt überrascht im vermeintlichen Rohling 
ein raffiniertes Konzept. Er durchschreitet auf zwei 
  
  
Geschossen eine abwechslungsreiche Raumfolge ES 
und stellt fest, dass das Sonnenlicht dosiert genau 
  
dort eindringt, wo es eindringen soll. Schliesslich 
  
  
  
  
wird klar, dass auch die dunklen Fassaden tieferen 
Sinn haben. Das Licht und seine Bewegungen wer- 
den auf den geschliffenen Betonflächen fein reflek- 
tiert. Die Betonkiste ist keineswegs starr und zeigt im 
Spiel des Lichtes einen sensiblen Ausdruck. Architek- 
tur ist Zweck, doch ist sie auch Baukunst. 
  
Abb. 1a,b,c,d: Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz, 1999 bis 
Mt 
2000; Architekten Meinrad Morger, Heinrich Degelo und Chri- 
stian Kerez, Basel/Zürich. Der grosse schwarze Monolith bricht 
mit seiner minimalistischen Form ins Vaduzer Zentrum ein und 
stellt den Kontext radikal in Frage. Die ungewohnte Gestaltung 
sendet Signale einer avantgardistischen Baukultur aus und pro- 
voziert eine Debatte über Architektur und Ortsbild. Im Innern 
spielen die Architekten mit Raumhóhen und Proportionen und 
laden zu einem frei gewählten Rundgang ein. Hier erweist sich, 
wie präzise die Öffnungen in die Fassaden gesetzt worden 
  
sind. 
Zeitgenössische Baukultur: Findlinge in der Streusiedlung 
 
        

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