zog kapitalkräftige Ausländer an. Und Sommerlad 
hatte alle Hände voll zu tun, den reichen Zuzügern 
standesgemässe Häuser zu bauen.” 
Wirtschaftliche Prosperität 
Das Land erholte sich und prosperierte zunehmend. 
Dies weckte prompt den Neid der Nachbarschaft. So 
wurde zumal in Osterreich und Deutschland der Vor- 
wurf stetig lauter geäussert, Liechtenstein profitiere 
von der Weltwirtschaftskrise und werde zum Kapi- 
talfluchtland und Dorado europäischer Grossverdie- 
ner.” 
Sommerlad gehörte zu den wenigen im Fürstentum, 
welche aus dem wirtschaftlichen Umschwung von 
Anfang an Gewinn zogen. Auf seine Zeitungsanzei- 
gen für «Villen, Bauplätze, Landhäuser in bester son- 
niger Lage — neuzeitlich, zweckmässig, preiswert»? 
meldete sich als erster Bauherr Justizrat Otto Strack 
Abb. 6: Landhaus auf Masescha, Triesenberg, Baujahr 1925, 
Architekt Ernst Sommerlad, Bauherr Otto Strack, Köln. 
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aus Köln. Er betraute Sommerlad mit der Realisie- 
rung eines Landsitzes auf Masescha, einer hügeligen 
Geländeterrasse hoch über dem Rheintal. Sommer- 
lad projektierte einen Mittelweg zwischen alpenlän- 
discher Behäbigkeit und moderner Sachlichkeit. Den 
gemauerten Sockeln und einfachen Holzstrickauf- 
bauten der Bergbauernhäuser und Ställen nachemp- 
funden, plante er das herrschaftliche Landhaus mit 
Garage als Holzbau auf massigem Mauerwerk. 
Stracks Landsitz sollte Sommerlads «Visitenkarte» 
werden. Doch nicht nur deswegen liess er keinen 
Handgriff unbesehen. Es war seine Art, alles selber 
zu kontrollieren. Jedes Mauerstück besah er genau, 
wies die Handwerker zurecht, wenn er etwas 
bemángelte, und liess die Arbeiten wiederholen, so- 
bald diese vor seinem strengen Auge nicht bestan- 
den. Der Architekt kümmerte sich um jedes Brett, 
um jeden krummen Nagel.? Freizeitlich waren er und 
seine Gattin Gertrud begeisterte Tennisspieler; sie 
gehörten 1925 zu den Gründungsmitgliedern des 
Vaduzer Tennisklubs. 
Der ideale Wohnraum 
  
Neues Bauen 
In Sommerlads ersten Bauten, den Landhäusern im 
Weiler Masescha auf Triesenberg etwa, widerspie- 
gelt sich die Idee des Neuen Bauens nur zögerlich. 
Auch bei seinem ersten Bau in Liechtenstein, dem 
1924 erstellten Wohnhaus mit Cafe im Zentrum von 
Schaan, zeigt sich die Moderne moderat und ländlich 
angepasst. Erst spáter vertrat er den Bauhaus-Stil 
formal strenger. Nicht aber dessen Ideologie. Denn 
seine Auftraggeber standen den Vertretern des Bau- 
hauses, die engagierte Weltveränderer, Sozialisten 
oder Kommunisten waren, nicht gerade nahe. Som- 
  
 
        

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