Spalt aus Ruggell ein Projekt vor, das aber auch nicht 
zur Ausführung gelangte. Spalt wurde jedoch mit der 
Bauausführung betraut, nachdem er bereits 1856 die 
Marienkapelle auf Schellenberg gebaut hatte und bei 
der Vaduzer Pfarrkirche als Polier tätig gewesen war. 
Für die Schaaner Pfarrkirche erarbeitete Architekt 
Banko, der an der Vaduzer Pfarrkirche die Projektlei- 
tung hatte und in Liechtenstein bereits mehrfach 
tätig war einen Vorschlag. Auch dieses Projekt kam 
nicht zur Ausführung. 
Für Ruggell schuf Baumeister Seger aus Vaduz 1843 
ein Projekt. Seger war bereits «Bauinspektor» der 
Pfarrkirchen in Mauren und Triesen. Beim Bau der 
Balzner Kirche hatte sich Franz Röckle vergeblich mit 
der Bitte an die Regierung gewandt, wenigstens 
einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten und Ar- 
chitekten, Bildhauer und Maler teilnehmen zu lassen. 
Röckle wurde 1879 geboren und verstarb 1953 in 
Vaduz. Er entwarf unter anderem das Vaduzer Rat- 
haus, war in Stuttgart und in Frankfurt am Main 
tätig, wo er 1910 unter anderem die Synagoge und 
das grosse Schwesternhaus des Jüdischen Kranken- 
hauses erbaute. 
Ein anderer Liechtensteiner Architekt, der mangels 
Betätigungsmöglichkeiten in die Vereinigten Staaten 
auswandern musste, war Johann Laternser (später in 
den USA Latenser), der 1859 in Nendeln geboren 
wurde, in Stuttgart 1879 das Architekturstudium ab- 
schloss, nachdem er in Strassburg eine Ausbildung 
als Steinmetz genossen hatte. Laternser ging 1880 
über Chicago nach Nebraska Omaha, wo er bis an 
sein Lebensende (1936) sehr erfolgreich tätig war 
und eine Reihe von beachtlichen Werken hinter- 
liess.” Es ist erstaunlich, dass Liechtenstein an der 
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Wende zum 20. Jahrhundert trotz der kleinen Bevöl- 
kerung (im Jahr 1901 7531 Einwohner) und des im 
Durchschnitt eher niedrigen Bildungsstands eigene 
Architekten hervorbrachte, die — wenn auch nicht in 
der Heimat — beachtliche Bauaufgaben mit Erfolg 
umgesetzt haben. 
Die Standorte der neuen Pfarrkirchen 
Einen interessanten Aspekt der Kirchenbautétigkeit 
im untersuchten Zeitraum stellt die Standortwahl 
dar. Wáhrend in Mauren die neue Kirche über den 
Fundamenten der Vorgängerkirche errichtet wurde, 
drehten die Eschner ihren Kirchenneubau um neun- 
zig Grad, so dass der Chor im Gegensatz zur tradi- 
tionellen Ausrichtung nach Osten dem Schiff südlich 
vorgesetzt wurde. Die Motivation für diese Drehung 
ist nur schwer nachvollziehbar, da die Stellung der 
Vorgängerkirche ortsbaulich wesentlich besser war. 
In Bendern wurde die mittelalterliche Pfarrkirche bis 
auf zirka vier Meter Höhe abgerissen und neu auf- 
gebaut. 
Der Standort für die Kirche in Schellenberg dürfte 
damit begründet gewesen sein, dass sich die Hinter- 
schellenberger weigerten, sich am Bau zu beteili- 
gen.” 
Der Kirchenneubau in Triesenberg wurde an der sel- 
ben Stelle wie die Vorgängerkirche errichtet. Der 
erste Bau auf Jonaboden war im weit gestreuten 
Weiler der Ausgangspunkt zur Schaffung einer dörf- 
lichen Siedlung gewesen, was im Lauf der Jahrhun- 
derte ansatzweise gelungen ist. 
In Ruggell wurde die neue Kirche bewusst zwischen 
die beiden Ortsteile gesetzt, um sie ortsbaulich zu- 
sammenwachsen zu lassen. 
Kirchenbau in Liechtenstein im 19./20. Jahrhundert 
 
        

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