sen hat. Ich lasse zwar nichts unversucht, um auf 
diese verwahrloste Bevölkerung zu wirken; jedoch 
eine ausreichende Abhilfe kann ohne die Gründung 
neuer Pfarren nicht geschaffen werden und neue 
Pfarren sind unmöglich, solange nicht für neue Kir- 
chen von entsprechender Zahl und Grösse gesorgt 
ist.» Und weiter in einem Schreiben vom 5. März 
1860 an den Statthalter von Wien, Fürst Karl Lobko- 
witz: «... dass die Kirchenbauten in den Vorstädten 
endlich mit Entschiedenheit in Angriff genommen 
werden, ist für den Staat fast noch wichtiger als für 
die Kirche. Denn, wenn unter dieser jährlich wach- 
senden Bevölkerung schlechte Tagblätter und Ein- 
flüsse, welche zum Teil vom Ausland bezahlt wer- 
den, täglich wühlen und die Leute von allem religiö- 
sen und sittlichen Einflusse ausgeschlossen sind, was 
kann das Ende sein und wie ist es möglich, durch 
blosse Gewalt den Folgen zunehmenden morali- 
schen Auflösung zu steuern.»? 
Abb. 15 Innenansicht der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Mau- 
ren vor dem Umbau von 1985 bis 1988. Quelle: Fotoarchiv 
Hochbauamt/Denkmalpflege 
Fürst Johann Il. hat den Kirchenbau in Wien mehr- 
fach (Canisiuskirche, Herz Jesu Kirche u.a.) mit gros- 
sen Beiträgen unterstützt. Bezeichnenderweise 
wurde Friedrich von Schmidt, der von Kardinal Rau- 
scher nach Wien geholt und gefördert worden war, 
von Fürst Johann Il. mit dem Entwurf der Vaduzer 
Pfarrkirche betraut. 
Die Finanzierung der Pfarrkirche Mauren war durch 
einen seit 1670 begonnenen Streit über die Baulast 
überschattet, der erst 1876 mit einem Vergleich be- 
endet werden konnte. Dabei verpflichtete sich der 
österreichische Religionsfonds zur Zahlung einer 
Aversalsumme von 3500 Gulden. Der Zuschuss er- 
folgte somit dreissig Jahre nach Abschluss der Bauar- 
beiten der neuen Pfarrkirche, die 1863 bereits das 
erste Mal renoviert wurde. Die Streitigkeiten mit den 
Patronen über die Instandhaltung der Kirche und 
Pfrundbaulichkeiten gerade in Mauren veranlassten 
den liechtensteinischen Landtag sogar zu einer Ge- 
setzesausgabe über die Baupflicht an Kirchen und 
Pfrundhäusern (12. Februar 1868). Der Auftrag zur 
Ausführung des Kirchenbaus wurde durch eine óf- 
fentliche «Absteigerung» zu 9098 Gulden an den 
Baumeister Jakob Ohri aus Tisis übergeben. Die Auf- 
gabe der Bauinspektion wurde dem Baumeister J. A. 
Seger aus Vaduz übertragen, der das zweitniedrigste 
Angebot gemacht hatte. Die Arbeiten wurden 
zudem vom Oberamt und auch von den Vorarlber- 
se 
ger Behörden fortlaufend kontrolliert. Die effektiven 
Gesamtbaukosten sind nicht bekannt. Ein direkter 
AE 
Baukostenzuschuss des Fürsten dürfte nicht erfolgt 
——— 
sein, da das Patronat der Kirche beim Staat Oster- 
reich lag. Der Fürst gewährte jedoch Darlehen und 
  
mehrere nachträgliche Unterstützungen. Seitens der 
Kirchenbau in Liechtenstein im 19./20. Jahrhundert 
 
        

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