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Abb. 23: August Essenwein, Ansicht des «Lustschlösschens» 
1854 (Publikation Privatbesitz) 
ker, dass es keine besseren oder schlechteren Stile 
gäbe, sondern einfach verschiedene, die dem Zeit- 
lauf der Geschichte zu verdanken seien. Bereits in 
seiner Examensschrift über den nordischen Back- 
steinbau im Mittelalter schrieb er 1855: «Die Kunst 
des gesamten Mittelalters ist als ein Ganzes zu be- 
trachten, das einen fortlaufenden Entwicklungsgang 
zeigt.»* So bedeuteten Essenwein die einzelnen Stil- 
stufen keine getrennten ideologischen Welten. Sein 
architektonisches Credo war áhnlich dem materialis- 
tischen Ansatz von Gottfried Semper (1803-1879), 
nämlich dass Baukunst sich aus Funktion und Mate- 
rial zusammensetzt und sich nicht einem bloss theo- 
retischen Stilideal unterwerfen sollte. Architektur 
muss sich nach August Essenwein aus dem inneren 
Wesen des Baus entwickeln und ihre ästhetische Ge- 
staltung darf nicht einem für alle Fälle gültigen Mus- 
ter — sprich Stil — folgen, sondern muss sich aus dem 
Baumaterial heraus entwickeln. 
Ein «Lustschlósschen» und anderes mehr 
Für eine Bauaufgabe wie ein fürstliches Landschloss 
waren also für Essenwein durchaus unterschiedliche 
Stile, ja Stilkombinationen móglich. Einen inte- 
ressanten Vergleich zum Liechtensteiner Projekt bie- 
tet sein acht Jahre jüngerer «Entwurf zu einem Lust- 
schlósschen». Dieses 1884 im Österreichischen 
Kunstverein in Wien ausgestellte Projekt zeigt eine 
repräsentative und weitläufige Vierflügelanlage in 
einer Parklandschaft mit Teich. Das Schloss ist um 
eine zentrale Brunnenhalle komponiert. Essenwein 
kombiniert bei seinem Entwurf einen Renaissancepa- 
last mit gotischen Elementen, ein für Stilpuristen à la 
Eugene Viollet-le-Duc in Frankreich oder Friedrich 
Abb. 24: August Essenwein, Brunnenhalle im «Lustschlós- 
schen» 1854 (Publikation Privatbesitz) 
  
Monarchisches Bauen 
 
        

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