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Abb. 20. Der «Rundbogenstyl» von Heinrich Hiibsch (aus Pu- 
blikation vgl. Anm. 20) 
und dessen Rekonstruktionsentwürfe den besten 
Zeichnungen eines Viollet-le-Duc ebenbürtig zur 
Seite standen.™ 
Der Rundbogenstil im Streit der «Style» 
Essenweins architekturhistorische Kenntnisse kamen 
auch bei seinen Neubauprojekten zum Ausdruck. Er 
suchte das Reprásentative und Monumentale und 
bevorzugte, obwohl er auch gotisch zu entwerfen 
wusste, eindeutig rundbogige Stilformen. Bei einem 
Schüler von Heinrich Hübsch (1795-1863) ist das 
nicht weiter verwunderlich. Dessen Architekturtheo- 
rie bildete die theoretische Grundlage für denjenigen 
Historismus in der Baukunst, der sich von den Klassi- 
zisten und Neugotikern absetzte. In seiner berühm- 
ten Schrift von 1828, die bereits im Titel die archi- 
tektonische Kardinalfrage des 19. Jahrhunderts an- 
spricht, nämlich: «In welchem Style sollen wir 
bauen?», propagierte Hübsch nicht mehr und nicht 
weniger als einen neuen Baustil. Diese «neue» Ar- 
chitektur war ein Pládoyer für einen flexiblen Rund- 
bogenstil, den er im Rückgriff auf historische Vorbil- 
der, besonders auf die Romanik und Frührenaissance 
legitimierte. Hübsch: «Hiermit wáre das vorgesetzte 
Ziel erreicht und für einen neuen Styl ein streng ob- 
jectives Skelett aufgestellt, welches, wie ich glaube, 
bestimmt genug ausgebaut ist, dass der Künstler 
dasselbe durch seine Individualitát beleben kann. Es 
wird jeder sogleich erkennen, dass der neue Styl am 
meisten Ähnlichkeit mit dem Rundbogen-Style 
haben muss - ja dass er im Wesentlichen der Rund- 
bogen-Styl ist, so wie dieser geworden wáre, wenn 
er sich ohne alle nachtheilige Rückerinnerung an den 
antiken Styl ganz frei und unbefangen hátte ent- 
wickeln kónnen... Der neue Styl wird demnach mit 
aller Geschmeidigkeit die verschiedenartigsten Auf- 
gaben zu lósen vermógen... Er wird sich frei in der 
Gegenwart bewegen und die Gebáude werden sich 
ganz nach der individuellen Phantasie der einzelnen 
Künstler, also sehr mannichfach verzieren.»?' Unter 
Rundbogenstil im strengen Sinn verstand das frühe 
19. Jahrhundert die mittelalterliche Architektur vor 
der Gotik, die romanische Baukunst unter Einschluss 
der frühchristlichen Architektur. Just zu der Zeit, in 
der das Balzner Residenzprojekt entstand, zwischen 
1858 und 1862, erschienen denn auch zwei wichti- 
ge Werke. Franz Kugler publizierte über die «Archi- 
tektur des romanischen Styles»? und zur gleichen 
Thematik erschien (posthum) von Essenweins Lehrer 
Heinrich Hübsch ein mit Stichen illustriertes Werk 
«Altchristliche Kirchen».? In einem weiteren Sinn 
schloss der Rundbogenstil dann aber auch Formen 
der Renaissance mit ein. In Wien entstanden im Rah- 
men der Stadterweiterung, deren Planung um die 
Monarchisches Bauen 
 
        

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