Architektur. Der Fürst war ein Bauherr ganz grossen 
Formates, und unzählige Neubauten verewigen sei- 
nen Namen. Ausser seinen drei ständigen Architek- 
ten Karl Gangolf Kayser und später Humbert Wal- 
cher von Moltheim und für Kirchen- und Profanbau- 
ten die Architekten Gustav Ritter von Neumann in 
Wien und Karl Weinbrenner in Eisgrub, die nach den 
vom Fürsten selbst gegebenen Weisungen ihres 
Amtes walteten, betraute Johann Il. auch viele ande- 
re der namhaftesten Baukünstler mit Entwürfen und 
Ausführungen der von ihm gewünschten Bauten. 
Hier sei im besonderen des Dombaumeisters Frie- 
drich von Schmidt, des Erbauers des Wiener Rathau- 
ses, gedacht, und des Professors Heinrich Ferstel, 
von dem der Bau des Liechtenstein-Palais im 9. Wie- 
ner Gemeindebezirk stammt.»' 
Der Fürst war kein passiver Bauherr, sondern griff 
durchaus aktiv in den Bauprozess ein, fragte um De- 
tails nach und korrigierte Pláne, wenn ihn eine Sache 
interessierte. Neben der Sakralarchitektur fórderte er 
in gleichem Mass die Profanbaukunst. So liess er 
neben Kirchen und Kapellen viele Pfarrháuser, Schu- 
len, Ratháuser, Schützenháuser, Spitáler, Versor- 
gungs-, Armen- und Siechenháàuser bauen, aber 
auch für den eigenen Bedarf auf seinen Gütern Wirt- 
schaftsgebáude, Jagdvillen und andere Nutzbauten 
errichten. Neben Neubauten investierte Johann Il. in 
zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Restaurierun- 
gen. Um nur je ein Beispiel aus der Sakral- und Pro- 
fanarchitektur zu nennen: Der Fürst unterstützte die 
Wiener Stephansdom-Restaurierung und liess auf ei- 
gene Kosten die alte Sommerresidenz der Brixner 
Bischöfe, das Renaissanceschloss Velthurns bei 
Bozen, wiederherstellen, um es dann 1903 der Stadt 
Bozen als Museum zum Geschenk zu machen; dies 
unter der einen Bedingung, dass alle im Schloss be- 
findlichen Kunstgegenstände für alle Zeiten dort 
bleiben müssten. Daneben zeigte sich die rege 
Bautätigkeit des Fürsten in der Erhaltung und Res- 
taurierung seiner ererbten alten Schlösser, Burgen 
und Ruinen, viele davon in Niederösterreich gelegen. 
Neben der Burg Liechtenstein waren dies die Wehr- 
bauten in Wartenstein, Seebenstein, Klamm, Grei- 
fenstein, Thernberg, mährisch Sternberg und Vaduz 
sowie die Schlösser in Kolodeje, Feldsberg/Valtice, 
Jägerndorf, Fischhorn und Kaprun. 
Auch in Liechtenstein war der Fürst im Sakral- wie im 
Profanbau rührig. Das erste realisierte Bauwerk war 
die neue Vaduzer Pfarrkirche, 1869 bis 1873 vom 
bereits oben erwähnten Wiener Dombaumeister 
Friedrich von Schmidt (1825-1891) unter der Baulei- 
tung seines Schülers Ignaz von Banko (1839-1897) 
erbaut. Sie sollte mit ihrer doktrináren Neugotik die 
stilistische Leitlinie auch für die nachfolgenden Liech- 
tensteiner Kirchenbauten abgeben, die allesamt 
nicht mehr von Schmidt, sondern vom hauseigenen 
Hofarchitekten aus Wien, Gustav von Neumann 
(1856-1928), erbaut wurden. All diese Bauten wer- 
den in den anderen Kapiteln dieser Publikation unter 
verschiedenen Aspekten näher beleuchtet. Daher 
möchte ich mich an dieser Stelle nur auf eine kurze 
Aufzählung beschränken, um das breite und, heute 
würden wir sagen, grenzüberschreitende Wirkungs- 
feld fürstlich-liechtensteinischer Bautätigkeit im 
19. Jahrhundert anzudeuten. Dem neuen Vaduzer 
Gotteshaus folgten die Pfarrkirchen in Schaan 
(1888-1893) und in Ruggell (1897-1899). Von 1903 
bis 1905 entstand nach Plänen von Neumann (er 
Achtung: Nicht gebaut! Utopien um Schloss Vaduz im 19. Jahrhundert 
  
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