1848: Das Volk setzt sich zur Wehr 
Die Missstimmung in der Bevólkerung, verursacht 
durch politische Stagnation und wirtschaftliche 
Rückschláge, kam eruptiv in der 1848er Bewegung 
zum Ausdruck. Die Bauernbefreiung hatte in Liech- 
tenstein zwar schon gegen Ende des 18. Jahrhun- 
derts eingesetzt und zu Beginn des 19. Jahrhunderts 
waren die ersten Schritte zu einer allgemeinen Bau- 
ernbefreiung in Liechtenstein erfolgt. 1848 nun 
wurde dieser Befreiungsprozess entscheidend in 
Gang gesetzt. «1848 bedeutete in der liechtensteini- 
schen Agrar- und Sozialgeschichte eine entscheiden- 
de Etappe in einer sich über Jahrhunderte hinziehen- 
den Entwicklung, welche die báuerliche Wirtschaft 
und Gesellschaft grundlegend verwandelte.»* Die 
Ablósung sámtlicher Grundlasten war bis Ende der 
1860er Jahre abgeschlossen, Fürst Alois Il. erklárte 
die Frondienste ab 1. Juli 1848 als abgeschafft. 
In dieser Revolution standen zwar die materiellen 
Forderungen im Vordergrund; dennoch bedeutet 
diese Phase für Liechtenstein die Geburtsstunde der 
Demokratie, der Schritt vom Untertan zum Bürger 
wurde bewusst getan. Verfassungsentwürfe von 
Peter Kaiser und Franz Joseph Oehri brachten die 
Wünsche nach politischer Mitbestimmung zum Aus- 
druck. 
Die liechtensteinische Revolution von 1848 verlief 
unblutig, die führenden Kópfe lenkten überborden- 
de Bestrebungen in geordnete Bahnen zurück. Es 
wurden mehrfach Wahlen durchgeführt und ein 
liechtensteinischer Volksvertreter in die Paulskirche 
nach Frankfurt entsandt. Wenn auch vorerst infolge 
des Reaktionserlasses von 1852 die politischen For- 
derungen zurückgestellt werden mussten, so ist doch 
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Abb. 2: Fürst Johann Il. von Liechtenstein (1840-1929). Quelle: 
Vogt, Paul: Brücken zur Vergangenheit. Vaduz, 1990 
die Langzeitwirkung der 1848er Bewegung eine be- 
deutende geblieben. 
Mit dem Reaktionserlass von 1852 hob Fürst Alois Il. 
die 1848/1849 gemachten politischen Zugestánd- 
nisse wieder auf. 
Die Verfassung von 1862 
Nach dem reaktionáren Rückschlag von 1852, be- 
dingt durch die gesamteuropäische, vor allem aber 
österreichische Entwicklung, wurde in Liechtenstein 
1862 eine liberale, konstitutionelle Verfassung mit 
konservativen Grundzügen eingeführt. Liechtenstein 
trat somit 1862 in den so genannten Konstitutiona- 
lismus ein, das heisst, der Monarch behielt zwar die 
Liechtenstein im 19. Jahrhundert (1806-1914) 
  
 
        

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