Einen entscheidenden Einschnitt für die weitere poli- 
tische und wirtschaftliche Entwicklung Liechtensteins 
stellen die Dienstinstruktionen von 1808 dar. Diese 
beseitigten die alte Landammannverfassung restlos. 
Eine wichtige Folge war die Gemeindereform: Die 
alten Gerichtsgemeinden wurden aufgehoben und 
die politischen Gemeinden neu geschaffen. Es folgte 
die Bodenreform mit der Privatisierung der «Ge- 
meinheiten», das heisst des genossenschaftlichen 
Besitzes. Weitere Schritte zur Modernisierung waren 
die Aufhebung der Leibeigenschaft (November 
1808), die Einführung des Grundbuchpatents (Ja- 
nuar 1809) sowie das Patent zur Einführung des 
Österreichischen allgemeinen bürgerlichen Gesetz- 
buchs, ABGB (Februar 1812). 
Den liechtensteinischen Untertanen wurde der Weg 
in die neue Zeit mit Druck und Zwang gewiesen. 
Widerspenstigkeiten, Widerspruch, ja rebellische Re- 
nitenz von Seiten der Bevölkerung war die Folge. 
Mit den Dienstinstruktionen von 1808 war auch die 
Verwaltung neu organisiert worden. Die Regierungs- 
geschäfte wurden vom Oberamt im Auftrag des Für- 
sten ausgeübt. Das Oberamt setzte sich aus einem 
Dreiergremium zusammen. Der Landvogt hatte den 
Vorsitz, ihm zur Seite standen der Rentmeister und 
der Landschreiber. Die Besetzung der Ämter erfolgte 
allein durch den Fürsten. Das Oberamt hatte nach 
den Vorgaben der fürstlich-liechtensteinischen Hof- 
kanzlei in Wien zu entscheiden und auch an diese zu 
berichten. Die Hofkanzlei ihrerseits berichtete und 
stellte Anträge an den Fürsten, der alle Rechte der 
Staatsgewalt in seiner Person vereinigte. Dieses Sy- 
stem der Verwaltung durch vorwiegend ausländische 
Beamte hat dazu geführt, dass eine skeptische 
Grundhaltung der liechtensteinischen Bevölkerung 
gegenüber der Beamtenschaft bestand. Diese wur- 
den als Vertreter der fürstlichen Interessen verstan- 
den und galten zudem als arrogant.’ 
In den elf Gemeinden bildeten je ein Richter, ein 
Sáckelmeister und mehrere Geschworene die Ver- 
waltungsorgane. Richter und Sáckelmeister wurden 
vom Oberamt aus einem Dreiervorschlag der Ge- 
meinden ernannt. 
1806 bis1848: Der Schritt in die Souveränität und die 
politische Retardation 
Einleitung 
Der von Napoleon 1806 gegründete Rheinbund 
brachte seinen Mitgliedern - wenigstens formal — die 
Souveränität. Fürst Johann 1., der sich «Achtung und 
Wohlwollen Napoleons» erworben hatte? konnte 
durch die Aufnahme Liechtensteins in den Rhein- 
bund durch Napoleon die Souveränität sozusagen als 
Sympathiebeweis entgegennehmen. 
Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen 
Systems löste sich der Rheinbund auf und der Deut- 
sche Bund trat an seine Stelle. Mit der Aufnahme 
Liechtensteins in den Deutschen Bund wurde ihm 
seine Souveränität bestätigt. Innenpolitisch wirkte 
sich der Deutsche Bund unter dem Diktat des Met- 
ternich'schen Systems als retardierender Faktor aus. 
Ein deutliches Indiz dieser Entwicklung ist die «land- 
stándische Verfassung» von 1818. Diese, von Fürst 
Johann I. aus höchster Machtvollkommenheit okt- 
royiert, stufte die Volksvertreter zu Empfängern 
fürstlicher Anordnungen ein. Verschiedene Vorstösse 
der Untertanen, mehr Rechte zu bekommen (so 
etwa 1831/1832), prallten an der Unnachgiebigkeit 
des Fürsten ab.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.