neuen Bahnstrecke für das Fürstentum darzulegen 
und für den Bau einzutreten. Vorarlberg unterstützte 
eine diesbezügliche Eingabe des liechtensteinischen 
Landtages an die österreichische Regierung. «Das 
Hauptübel der liechtensteinischen Eisenbahnverhält- 
nisse liegt darin, dass die in den 70er Jahren des vo- 
rigen Jahrhunderts ... erbaute Linie Feldkirch-Buchs 
nur den nórdlichen Landesteil durchquert. Die ge- 
samte Bevólkerung des Fürstentums forderte mit 
Recht, dass man eine Lángsbahn baue, deren Schie- 
nenstrang der uralten Verkehrsstrasse Feldkirch- 
Vaduz-Balzers-Sargans folgen sollte. Sargans ist der 
von Natur gegebene Knotenpunkt in dieser Land- 
schaft und nicht Buchs.» " 
Befürworter und Gegner des Streckenausbaus be- 
kämpften sich in der regionalen Presse. Im Landtag 
wurde eine einstimmige Resolution gefasst und an 
den Fürsten weitergeleitet. Trotz aller Bemühungen 
gelang es nicht, das Österreichische Handelsministe- 
rium von der Notwendigkeit der Bahnverlängerung 
durch Liechtenstein zu überzeugen, denn aufgrund 
des geringen liechtensteinischen Exports gäbe es kei- 
nen kommerziellen Grund, die Bahnlinie zusätzlich 
über das Liechtensteiner Oberland zu führen. 
Im Jahr 1903 unternahm Liechtenstein einen noch- 
maligen Versuch für eine Bahnverbindung durch das 
Liechtensteiner Oberland. Als die Kurverwaltung von 
Bad Ragaz eine Konzession für die Errichtung einer 
linksrheinischen Bahnverbindung von Landquart 
nach Sargans beantragte, sah Liechtenstein eine 
Möglichkeit zur Weiterführung der Bahnlinie über 
Maienfeld und von der Landesgrenze beim Ellhorn 
über Balzers, Triesen nach Schaan. In Schaan war der 
Anschluss an die Vorarlberger- beziehungsweise Arl- 
151 
bergbahn vorgesehen. Das von Liechtenstein und 
der Rhätischen Bahn ausgearbeitete Projekt hatte 
lange Zeit Aussicht auf Verwirklichung. «Nach dem 
vorerst zustimmenden Verhalten der kantonalen 
Behörden und der Regierungsstellen erfolgte am 17. 
September 1907 eine endgültige Absage mit der Be- 
gründung, der Bau der geplanten Linie wäre eine 
Konkurrenz zur Schweizer Rheintalbahn, auf welcher 
dadurch hohe jährliche Verluste zu erwarten 
wáren.»" 
1926 wurde das Schmalspurprojekt erneut aufge- 
griffen und nach der Hochwasserkatastrophe von 
1927, als der Eisenbahnverkehr zwischen Schaan 
und Buchs unterbrochen war, wurde die Notwendig- 
keit der Bahnstrecke Schaan-Sargans wieder lebhaft 
diskutiert. Aus heutiger Sicht hátte für den óffentli- 
chen Personennahverkehr eine Bahnlinie durch das 
gesamte Fürstentum eine Berechtigung gehabt und 
zur Entlastung des Strassenverkehrs beigetragen. 
Aber obwohl vorerst durch das Fehlen einer liech- 
tensteinischen Bahnlinie, die das Ober- und Unter- 
land miteinander verbinden sollte, Nachteile be- 
fürchtet wurden, hat Liechtenstein bei der Ausnut- 
zung der bestehenden Möglichkeiten Zugang zum 
internationalen Eisenbahnnetz. 
Der Eisenbahnbau und die wirtschaftliche Entwicklung 
Liechtensteins 
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt in Liechtenstein 
die Tätigkeit in der Landwirtschaft als Haupterwerb. 
Die Viehzucht, der Wein- und Obstbau sowie die 
Herstellung von Milcherzeugnissen zählten zu den 
wichtigsten Erwerbsquellen in der Agrarproduktion. 
Aber auch die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- 
Der Eisenbahnbau in Liechtenstein 
 
        

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