Dieses wurde 1911 in ein Mädchenheim umgenutzt. 
Der Bau von Mädchenheimen war damals in der 
Nordostschweiz zeittypisch: Die Spinnereiunterneh- 
mer holten sich für ihren Betrieb Schulabgängerin- 
nen meist aus Norditalien und liessen diese — kirch- 
lich betreut - gegen Kost und Logis und zu gerings- 
ten Lóhnen arbeiten. Das grósste Mádchenheim in 
Uster beherbergte — von Nonnen betreut — mehr als 
hundert jugendliche Spinnereiarbeiterinnen.? Nord- 
westlich unterhalb der Spinnerei entstanden bis 1902 
drei weitere, gleichfórmige Wohnhàuser, zu denen 
sich 1910 noch zwei mit anderen Grundrissen gesell- 
ten. Zusammen mit dem Sechswohnungshaus an der 
Fürst-Franz-Josef-Strasse 49 besass die Spinnerei in 
unmittelbarer Umgebung neun umgenutzte Altbau- 
ten und acht neu erstellte Arbeiterwohnháuser. Auch 
hier entstand somit, áhnlich wie in Triesen, eine 
eigentliche Fabrik-Villa-Arbeitersiedlung, die noch 
heute weitgehend intakt an die einstige räumliche 
Einheit von Arbeiten und Wohnen, von Unterneh- 
merleben und Arbeiterleben erinnert. 
Günstige Verkehrslage — spáter Eisenbahnbau 
Bildeten billige Arbeitskráfte, günstige Wasserkraft 
und die Zollunion mit Osterreich die ersten positiven 
Standortfaktoren für die Industrialisierung, so stellte 
das Fehlen eines modernen Massentransportmittels 
anfánglich einen negativen Faktor dar. 
Bis zum Bau der Eisenbahnverbindung blieb die 
rechtsrheinische Strasse die einzige Transportachse 
Liechtensteins. Im Unterschied zur linksrheinischen, 
rein schweizerischen Fahrstrasse, die teilweise durch 
Schwemmland führte, hatte sie den Vorteil, über- 
schwemmungssicher Ortschaften am Talrand zu ver- 
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Abb. 16: Die gedeckte Holzbrücke von Vaduz ist am Rhein das 
letzte derartige erhaltene Denkmal. Foto Bártschi, April 2000. 
binden. Von der Luziensteig führte sie über Vaduz, 
Feldkirch und Dornbirn nach Bregenz. Ihr Nachteil 
war die Passstrecke über die Luziensteig. Brücken, 
welche die links- und die rechtsrheinischen Strassen 
miteinander verbunden hátten, gab es bis ins 19. 
Jahrhundert keine. Das breite Schwemmgebiet der 
alten Rheinláufe liess mit der damaligen Technik sol- 
che Bauwerke nicht zu.? Zudem diente der Rhein 
selbst der Flósserei und der Schifffahrt. Diese ge- 
wáhrleistete mit zahlreichen Rheinfáhren das Über- 
setzen von Personen, Waren und auch von Fuhrwer- 
ken. Parallel mit dem Bahnbau der 1850er Jahre be- 
gann der Bau der Hochwasserdámme an besonders 
gefáhrdeten Abschnitten des Alpenrheins. Die 
Dámme ermóglichten den Bau von Vorbrücken bis 
zum Rhein und von Hauptbrücken über den Rhein. 
Zwischen 1869 und 1909 entstanden unterhalb von 
Vaduz bis zur Rheinmündung ein Dutzend Holz- 
brücken.^ Drei davon verbanden die Schweiz mit 
Liechtenstein: Die inzwischen abgebrannten Rhein- 
Bauten der Industrialisierung 
 
        

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