in Liechtenstein dokumentiert es als ältester derarti- 
ger Zeuge den frühen paternalistischen Wohnungs- 
bau für Werksangehörige. 
Die Spinnerei Spoerry in Vaduz - «ein verderbenbrin- 
gendes Projekt» 
Als sich Johann Jakob Spoerry in Liechtenstein nach 
einem optimalen Standort für die Gründung einer 
neuen Gross-Spinnerei umsah, stiess er zwangsläufig 
auf den Vaduzer Mühleholzbach, an dem sich bereits 
die erwähnten zehn Gewerbebetriebe mit den fünf- 
zehn Wasserrädern und zwei der drei Webereien 
Liechtensteins angesiedelt hatten. Mit seiner im Jahr 
1880 getroffenen Standortwahl am Mühleholzbach 
stach Spoerry allerdings in ein Wespennest. Es ist ein 
Glücksfall für die Geschichtsforschung, dass die 
damit einsetzenden und bis September 1883 dau- 
ernden Auseinandersetzungen durch Tagebuchein- 
träge des Gründers Spoerry und durch die amtlichen 
Akten ziemlich lückenlos dokumentiert sind — Alois 
Ospelt hat sie im Katalog «Fabriklerleben» minutiôs 
dargestellt.° Spoerry hatte seine Standortwahl unter 
Beizug bester Experten getroffen — auf seinen Rund- 
gángen um Vaduz begleitete ihn unter anderem 
Oberst Oskar Rieter, der Leiter der Spinnmaschinen- 
abteilung der damals als Generalunternehmerin für 
den Spinnereibau international tátigen Maschinen- 
fabrik Rieter aus Winterthur. Rieter lieferte auch 
ganze Kraftwerkausrüstungen, und so entstand das 
Projekt, den Mühleholzbach auf ein flaches Hang- 
grundstück auf Vaduzer Gemeindegebiet umzuleiten 
und das Wasser den Nutzern auf Schaaner Gemein- 
degebiet am obersten Standort zurückzuleiten. Nach 
den Wasserrechtsgepflogenheiten in den verschiede- 
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nen Schweizer Kantonen, mit denen die Gebrüder 
Spoerry in den Kantonen Zürich, Glarus und St. Gal- 
len Erfahrungen hatten, war das eine unproblemati- 
sche Sache. Das Liechtensteiner Wasserrecht war 
noch jung und erst 1864 eingeführt worden. Das 
schweizerische Argumentarium anwendend, erhielt 
Spoerry über den Liechtensteiner Landestechniker 
Peter Rheinberger und dessen Bruder 1881 das ge- 
wünschte Wasserrecht samt dem Bauland auf 
Vaduzer Gemeindeboden. Nun aber traten auf der 
Stelle die Besitzer der alten Wasserrechte und die 
Gemeinde Schaan in Opposition zum Fabrikprojekt 
auf Vaduzer Boden. Sie erhoben Einsprache und ver- 
langten, «das verderbenbringende Projekt abzuwei- 
sen»?. Alle möglichen Argumente wurden ange- 
bracht, so unter anderem, dass im Fall eines Brands 
während eines Föhnsturms das nötige Löschwasser 
auf der Schaaner Seite fehle. Diese Einsprache hätte 
wahrscheinlich wenig Chancen gehabt, wenn nicht 
unglücklicherweise das mächtige Kaufmännische 
Direktorium in St. Gallen durch Konkurs der «oberen 
Weberei am Mühleholzbach» 1877 in Besitz dieser 
Fabrik mitsamt dem zugehörigen Wasserrecht ge- 
langt wäre. Das Direktorium setzte sich mit Zuhilfe- 
nahme von Fachleuten an die Spitze der Opposition 
gegen Spoerry. 
Hofieren und Intrigieren zwischen St. Gallen und 
Wien 
Experten und Gegenexperten wurden von beiden 
Parteien aufgeboten. Der nach dem Geschäft mit 
Spoerry nicht ganz unbefangene Landestechniker 
Rheinberger wies die Bedenken ab — der Bau einer 
Druckleitung von über tausend Metern sei móglich, 
Bauzeugen der Industrialisierung 1820 bis 1920 
 
        

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