dem die Kundenmühle 1958 ihren Landwirtschafts- 
betrieb aufgab, stellte sie ihren Betrieb um 1965 
ganz ein. Die Vorwerke für die Getreidereinigung 
wurden ausgebaut, die drei Mahlgänge, der Walzen- 
stuhl und das ganze Getriebe blieben erhalten. Bis 
1994 konnte dieses über Liechtenstein hinaus einzig- 
artige technische Denkmal aus der Übergangszeit 
zwischen Protoindustrialisierung und Vollmechani- 
sierung betriebsfähig restauriert werden. 
Das Baugewerbe Liechtensteins war schwach ent- 
wickelt* In Nendeln hatte der aus Deutschland 
stammende Hafner Philipp Albert Schaedler in einer 
bestehenden Ziegelei 1836 eine handwerkliche Ton- 
warenfabrik für Ofenkacheln, Tonróhren und Haus- 
haltsgeschirr eingerichtet. Für die Krafterzeugung 
diente ein Gópelwerk, das von einem im Kreis ge- 
henden Pferd mit verbundenen Augen angetrieben 
wurde. Dieser Antrieb wurde erst 1904 durch einen 
Benzinmotor und 1910 durch elektrische Kraft er- 
setzt. Vom Tonwarenwerk Nendeln sind ein zum 
Wohnhaus umgenutztes Gebáude, mechanische Ein- 
richtungen und Teile des Tunnelofens zum Brennen 
erhalten.* 
Eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung hatten auch 
die Steinbrüche am Fuss der Drei Schwestern, in 
denen Kalkstein, Gips, Hausteine für die Rheinufer- 
verbauung und Ziersteine gewonnen wurden. Der 
Steinbruch am Ellhorn bei Balzers bescháftigte in den 
1860er Jahren zwanzig Steinhauer, die Wuhrsteine 
und Rohlinge für Grabsteine, die in Rorschach bear- 
beitet wurden, abbauten. Die Spuren menschlicher 
Mühsal sind an der markanten Stelle am Rheinknie 
noch heute deutlich an den steilen Steinbruchwán- 
den und dem darunter liegenden Abraum abzulesen. 
Der Bau von Dámmen oder Wuhren gegen die Über- 
schwemmungsgefahr des Rheins gehórte zwangs- 
láufig zu den wichtigen Gewerbezweigen aller an- 
grenzenden Lánder. Zwei der bedeutendsten Stein- 
brüche der Internationalen Rheinregulierung liegen 
unmittelbar beim Dreiländereck Liechtenstein-Oster- 
reich-Schweiz, aber auf Schweizer Seite: Die Vor- 
kommen am Büchel wurden bis zum Abbruch der 
Baubahn zwischen Rüthi und Haag im Jahr 1984 
Block für Block über 25 Kilometer weit auf Schienen 
bis zur Rheinmündung in den Bodensee transpor- 
tiert. 
Liechtenstein selbst konnte seinen Baumaterialbe- 
darf für das bis 1860 bescheidene einheimische Bau- 
wesen weitgehend selbst decken, indem Kalk ge- 
brannt, Gips gemahlen und Holz gesägt wurde. Eine 
rudimentäre Rolle spielte das einheimische Brenn- 
materialgewerbe, das etliche Kóhler und Torfstecher 
bescháftigen konnte. Die Wiederaufnahme des im 
Mittelalter betriebenen Erzbergbaus wurde in der 
schwierigen Versorgungslage Anfang des 19. Jahr- 
hunderts in Erwágung gezogen - für die Zulieferung 
der Schmelzófen des Gonzen-Bergwerks. Jedoch 
nahm man die notwendigen, teuren Erschliessungs- 
arbeiten nicht auf.” Hingegen gab es in Vaduz und 
Triesen mechanische Schmiedewerke, die ausländi- 
sches Eisen verarbeiteten. 
Zum bedeutendsten protoindustriellen Erwerbszweig 
wuchs — auf der Basis der Baumwollindustrie — die 
Stickerei heran. Das Hanf und Flachs verarbeitende 
Gewerbe erlangte in Liechtenstein nie die Bedeu- 
tung, die es im benachbarten Sankt-Gallischen hatte. 
Jedoch stand die Blüte der Stickerei unmittelbar im 
wirtschaftlichen Zusammenhang mit der benachbar- 
Bauzeugen der Industrialisierung 1820 bis 1920 
  
 
        

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