ihrem Standort eine «Sonntagsseite» zu zeigen. Das 
alles ist ebenfalls im Stilgemisch des «Schlössle» zu 
finden, wenn auch dispers, verborgen und über- 
formt. 
Die ganze Palette der Anforderungen, Antworten 
und Strategien, wie sie aktueller nicht sein könnten, 
ist in diesem Objekt enthalten und dokumentiert sie 
— über ein ganzes Jahrhundert. 
Zusammenfassung 
Das historistische Bauen ist in der Regel eng ver- 
knüpft mit der Industrialisierung der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts. Da diese in Liechtenstein zeit- 
verschoben und insgesamt nicht so dominant in Er- 
scheinung tritt wie etwa im benachbarten Vorarl- 
berg, sind auch die Resultate des Historismus eher 
atypische, sieht man vom Kirchenbau einmal ab. 
Beziehungen zur Region und zum Ausland sind da, 
wenn auch noch kaum erforscht. Die Beziehungen 
zur Schweiz sind vor allem zur Zeit der Industrialisie- 
rung ausgeprägt, als Unternehmer aus der Ost- 
schweiz in Liechtenstein nicht allein Wasserrechte 
kauften und Textilfabriken errichteten, sondern 
gleich auch ihre Bauingenieure und deren bewährte 
Konstruktionspläne mitbrachten. 
In der voralpinen Region, wo sich unterschiedlichste 
Bautraditionen begegnen und mischen (Rheintaler 
Haus, Walser Siedlung, gemauertes Weinbauern- 
haus), spielte und spielt aber ein weiterer Typus eine 
Rolle, der gleichsam quer zu Historismus und Hei- 
matstil liegt und einen Teil von deren Charakteristika 
verbindet: das Chalet. 
  
Topografie und politisches System begünstigen bis 
heute in Liechtenstein traditionalistische Haltungen, 
gerade auch in der Umweltgestaltung. Für den Hei- 
matstil oder die Regionalromantik bot das winzige 
Voralpenland nahezu ideale Bedingungen. Es er- 
staunt daher nicht, dass Liechtenstein einen originel- 
len Exponenten dieser Richtung hervorgebracht hat: 
den Bildhauer, Historienmaler, Restaurator und auto- 
didaktischen Architekten Egon Rheinberger. Sein 
Name steht in keinem Künstlerlexikon, und doch hat 
er den bis heute ländlich gebliebenen Charakter der 
Region unverkennbar mitgeprägt. Seine gebauten 
Beiträge sind allesamt interessante und aufschlussrei- 
che Einzelanfertigungen. Virtuos bewegte sich der 
praktizierende Mediävist zwischen Historismus und 
Heimatstil. Stolz und exponiert lagert das Rote Haus 
im Vaduzer Weinberg und zeigt, was sein Schópfer 
vermochte: bestehende alte und imaginierte mittel- 
alterliche Baufragmente zu einem neuen Ganzen zu- 
sammenzufügen, sich dem Spiel der Kórper, Ober- 
flächen, Proportionen und Teilungen hinzugeben. 
Mit sicherem Gespür für Form und Farbe verlieh er 
dem Ausdruck, wovon die Mehrheit — bis heute — 
träumt: dem behaglichen Haus, der schützenden 
Burg, dem stattlichen Anwesen. 
Ursina Jakob 
Hardstrasse 219 
8005 Zürich 
Historismus und Heimatstil 
 
        

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