stand zwischen 1906 und 1915 für Rheinbergers 
Vetter, Ferdinand Nigg. Dieser, ein in Deutschland 
bekannter Grafiker und Professor an der Kunstge- 
werbeschule Köln, dessen Werk in seinem Geburts- 
land Liechtenstein erst sehr spät Anerkennung 
fand,’ wünschte einen Umbau seiner Liegenschaft 
im Beckagässle Nr. 10 und einen Anbau. Die Entste- 
hungsgeschichte des Hauses ist lang, basiert auf 
einem regen Gedankenaustausch der beiden Vet- 
tern, überzeugt aber als abgerundete, im Detail aus- 
gefeilte Komposition. Ein weiteres Landhaus ent- 
stand 1906 in Masescha in Triesenberg für Hermann 
Kessler, den Generaldirektor von Siemens für Ost- 
asien. Die Pläne hatte allerdings bereits ein Berliner 
Architekt gezeichnet.” Ein Jahr später erstellte 
Rheinberger in Werdenberg (Kanton St. Gallen) ein 
Landhaus für die Familie Hilty. Hier schöpfte er of- 
fensichtlich aus der regionalen Bautradition. Schliess- 
lich durfte sich Rheinberger auch mit Sakralbauten 
befassen, als er in derselben Periode mit dem Um- 
und Anbau der Kapelle St. Wendelin und St. Martin 
in Steg betraut wurde. Seine Vorliebe für plastische, 
wohlproportionierte Dachkompositionen schuf aus 
Alt- und Neubau ein spannungsvolles Ganzes. 1926 
entstand Rheinbergers letzter Wohnbau, ein neues 
Haus für Ferdinand Nigg im Sankt Johanner Nr. 16 in 
Vaduz. 
Ein unstimmiger Bau für die kommunale Identität 
Die Entstehungsgeschichte des Rathauses in Vaduz 
ist mit Ungereimtheiten durchsetzt. Beschlossen und 
realisiert wurde der Bau mitten in der Wirtschaftskri- 
se der frühen 1930er Jahre. Auf ein Eröffnungsfest 
mit Volksbeteiligung wurde verzichtet. Eine Broschü- 
re wäre geplant gewesen, erschien aber «aus unbe- 
kannten Gründen» nie, wie Alois Ospelt in der Ein- 
leitung zur Festschrift schrieb, die an deren Stelle an- 
lässlich der Renovation im Jahr 1983 herauskam. In 
der gleichen Publikation erinnert der damalige Bür- 
germeister Arthur Konrad an die Argumente, mit 
denen sein Amtsvorgänger 1931 die Notwendigkeit 
eines Rathauses vor der Gemeindeversammlung be- 
gründet hatte, sollte es doch «als Wahrzeichen von 
der Kraft und Entschlossenheit der Bürger bis in die 
ferne Zukunft von Vaduz zeugen». Das nun war 
schlicht die Unwahrheit, hatten doch «die Bürger» 
zu diesem Bau gar nicht viel zu sagen. 
Raummangel für die Gemeindeadministration war 
geltend gemacht worden. Ein Gemeindearchiv fehl- 
te, angeblich aus Platzgründen. Diesen Mangel 
behob allerdings auch der Neubau anscheinend 
nicht. Die Pláne verschiedener Architekten für den 
künftigen Renommierbau im Hauptort blieben un- 
auffindbar. So erscheint die Planungsgeschichte 
merkwürdig von Zufällen bestimmt. Allererste Skiz- 
zen für ein Rathaus hatte der Churer Architekt J. E. 
Willi angefertigt. Sogar von einem Projektwettbe- 
werb war die Rede gewesen, zu dem der bekannte 
Architekt Fritz Hóger aus Hamburg und Albert Rimli 
aus Frauenfeld hätten eingeladen werden sollen.” 
Auch die beiden aus Deutschland stammenden, in 
Schaan und Vaduz ansässigen Vertreter des Neuen 
Bauens, Erwin Hinderer und Ernst Sommerlad, waren 
eingeladen worden, Projekte einzureichen, pro 
forma, wie sich im Nachhinein feststellen liess. Ein 
gewisser Franz Josef Röckle, von Vaduz ausgewan- 
dert nach Stuttgart und Frankfurt und dort erfolgrei- 
cher Architekt, erhielt vom mit ihm befreundeten 
Bauten des Historismus 
  
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.