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Wie schon angedeutet, ist hinsichtlich des EWR-Beitritts die von kaum 
jemandem erwartete Situation eingetreten, daß Liechtenstein dem EWR 
beigetreten ist, ohne daß die Schweiz den Schritt vollzogen hat. Aus die- 
sem Grunde und weil Liechtenstein den Zollvertrag zur Schweiz nicht auf- 
geben wollte, schuf es mit Hilfe seiner Partner im EWR ein funktionieren- 
des, den Bedürfnissen des Landes entsprechendes Integrationsmodell 
,EWR und Zollvertrag*2. Nebst den Übergangsfristen für die Umsetzung 
von EWR-Recht fand eine spezifische Lósung der Freizügigkeitsproblema- 
tik statt: Diese speziell für Liechtenstein vorgesehene Regelung respektiert 
die nationale Identität des Landes und gewährt, daß angesichts des Anteils 
von 38 % Ausländern an der Gesamtbevölkerung keine unbeschränkte 
Zuwanderung erfolgt. Damit wurde das EWR-Abkommen für Liechten- 
stein größenverträglich ausgestaltet. Die Übergangsfristen sind am 
1. Januar 1998 abgelaufen. Allerdings sieht Protokoll 15 Art 9 Abs 2 fol- 
gendes vor: „Bei Ablauf der Übergangszeit für Liechtenstein werden die 
Vertragsparteien die Übergangsmaßnahmen gemeinsam überprüfen, wobei 
sie die besondere geographische Lage Liechtensteins gebührend berück- 
sichtigen." Diese Verhandlungen sind im Gange, konnten aber zum 
1. Januar 1998 nicht abgeschlossen werden. Demgemüàf) hat Liechtenstein 
gestützt auf Art 112 EWRA Schutzmafinahmen angewandt und die Perso- 
nenverkehrsfreizügigkeit bis zum Abschluf der Verhandlungen suspen- 
diert. Es zeigt sich jedenfalls, daB die Instrumente des Abkommens funk- 
tionieren.!3 
Dasselbe gilt in wirtschaftlicher Hinsicht: Der negative Ausgang des Schwei- 
zer EWR-Referendums zwang Liechtenstein, eine Lösung zu finden, nach der 
sowohl die enge Partnerschaft mit der Schweiz als auch die EWR-Mitglied- 
schaft aufrechterhalten werden konnten. Um gleichzeitig zwei Wirtschaftsräu- 
men anzugehôren, was einem wirtschaftspolitischen Unikum gleichkommt, 
wurde das Konzept der sog. parallelen Verkehrsfähigkeit erarbeitet. Dieses 
Konzept besagt, daß auf liechtensteinischem Gebiet sowohl Waren gemäß 
EWR-Recht als auch Waren gemäB Zollvertragsrecht in Verkehr gebracht 
| werden dürfen. Die Bevólkerung Liechtensteins hatte dem EWR-Abkommen 
i nebst anderem unter der Bedingung zugestimmt, daß der Zollvertrag zur 
| Schweiz aufrechterhalten würde. 
Mit dem Integrationsmodell EWR und dem Zollvertrag hat Liechtenstein 
einerseits eine gute Basis für die Regelungen der künftigen Beziehungen mit 
der Schweiz, unabhängig davon, ob diese ihrem Integrationsbedürfnis mit 
  
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