Schweiz bzw. EWR-Beitritt nur Liechtensteins — die am wenigsten wahr- 
scheinliche wider alle Erwartungen eingetroffen ist:7 Am 6. Dezember 1992 
bzw. am 13. Dezember 1992 stimmten die Stimmberechtigten der EFTA- 
Staaten Schweiz bzw. Liechtenstein über die Beteiligung am Europäischen 
Wirtschaftsraum (EWR) ab. Während das EWR-Abkommen in der Schweiz 
mehrheitlich abgelehnt wurde, stimmte eine Mehrheit im Fürstentum 
Liechtenstein für den Beitritt. Diese Situation verlangte nach einer Klärung 
des beiderseitigen Vertragsverhältnisses. Nach dessen Festlegung in mehreren 
Ergänzungen zum Zollvertrag und einem Beschluß des EWR-Rates konnte 
Liechtenstein dem EWR mit 1. Mai 1995 beitreten.8 
Angesichts der Kleinheit des Landes (160.008 km? Staatsgebiet; 30.629 Ein- 
wohner)? war es für die Bevólkerung jedoch undenkbar, den freien Zugang 
zum schweizerischen ,erweiterten Heimmarkt* ohne Zollgrenze aufzugeben 
und wirtschaftlich einen eigenen Weg zu gehen.!0 Ein zweites Mal hat sich 
Liechtenstein von der auBenpolitischen Linie der Schweiz emanzipiert und ist 
seinen eigenen Weg gegangen, ohne deshalb die Bindungen zur Schweiz auf- 
zugeben. 
Hier zeigt sich, daß Liechtensteins Rechnung ein weiteres Mal aufgegangen 
ist: Durch die Abgabe von Souveränität an eine multilaterale Struktur konnte 
Liechtenstein seine Souveränität in einem bisher nie dagewesenen Maße stär- 
ken.!! Diese Entwicklung wurde natürlich auch durch grundlegende Umwäl- 
zungen geopolitischer und weltwirtschaftlicher Natur begünstigt: Es ist kein 
Souveränitätskriterium mehr, daß ein Staat eine möglichst große Fläche 
beschlägt oder möglichst viele Einwohner hat. Vielmehr sind solche Staaten 
begünstigt, die mit einem geringen Haushaltsbudget auskommen und die über 
eine florierende Wirtschaft, vorab in den neuen Wirtschaftsbereichen, verfü- 
gen und diese in den immer freieren und global geöffneten Märkten absetzen 
können. 
3. Liechtenstein im Spannungsfeld zwischen der 
Schweiz und der EU 
3.1. Ausgangslage 
Liechtenstein ist in mancherlei Hinsicht ein Sonderfall der europäischen Inte- 
gration. Für das Land ist diese schon aufgrund seiner geographischen Klein- 
heit und seiner bescheidenen Bevölkerungszahl ein Kraftakt. 
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