Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000131393/47/
Die Europäische Union idee in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre.42 Zum einen ist der Binnen­ markt als Ausdruck eines tiefgreifenden Strukturwandels zu sehen, der vor allem durch den rasanten technischen Fortschritt gekennzeichnet ist, welcher wiederum die tiefere weltwirtschaftliche Verflechtung beschleu­ nigte. Zum anderen hat sich die Interessenlage multinationaler Unter­ nehmen geändert, deren Produktions- und Absatzaktivitäten nicht mehr auf nationale Grenzen beschränkt bleibt und die deshalb unterschied­ liche Rechtssysteme und Grenzformalitäten als störend auffassen. Die Visionen, die die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene und 1988 als Cecc/nVzz-Report43 bekannt gewordene Studie «The Costs of Non-Europe» zu den Vorteilen des Binnenmarktes offen­ barte44, müssen zehn Jahre nach deren Erscheinen relativiert werden und zwar erstens hinsichtlich der quantifizierbaren Wohlfahrtsgewinne des Gemeinschaftsmarktes45 und zweitens hinsichtlich der politischen Ener­ gie, mit welcher das Binnenmarktprogramm tatsächlich von den Mit­ gliedstaaten umgesetzt wird.46 2.2.2 
Quantifizierbare Effekte der Binnenmarktintegration Unter mikroökonomischen Gesichtspunkten sollten im Binnenmarkt Grössenvorteile und zunehmender Wettbewerb zu einer Produktivitäts­ steigerung führen. Zudem wurden durch den gesteigerten Konkurrenzdruck Preissen­ kungen und Preisangleichungen erwartet. Die massiven Preisunter­ schiede zwischen den Mitgliedstaaten, welche ein deutliches Zeichen der Marktsegmentierung waren, wurden mit fehlendem Wettbewerb inner­ halb der Gemeinschaft begründet. Die Kommission erhoffte sich eine Preisangleichung nach unten.47 Tabelle 1 zeigt die erwarteten Wohl­ fahrtseffekte für die Gemeinschaft durch die Marktintegration. 42 Vgl. 
Rothschild 1991, S. 120f. 43 Vgl. 
Cecchini et al. 1988; 
Emerson et al. 1988. 44 So wurde ein Gesamtnutzen von 200 Mrd. ECU, das entsprach einem Zuwachs des EG- BIPs von 5 %, erwartet. Zudem sollte der Preisanstieg um 6 % gesenkt werden, die öffentlichen Ausgaben sollten um 2.2 % des BIPs fallen und 1.8 Mio. neue Arbeitsplätze sollten geschaffen werden 
(Cecchini et al. 1988). 45 Siehe auch 
Europäische Kommission, KOM(96) 520 endg. 46 Skepsis darüber, dass der Binnenmarkt bis zum anvisierten Datum am 31.12.1992 voll­ endet sei, und über seine positiven Effekte, wurde bereits kurze Zeit nach Erscheinen des Reports geäussert 
(Bukold/Musiolik 1990, 
Pelkmans 1990, 
Wegner 1991). 47
        

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