Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000131393/179/
Künftige europäische Herausforderungen Das von der Kommission vorgeschlagene «Koexistenzmodell» ist in Liechtenstein nur bedingt anwendbar. Ein «Informationssystem», wel­ ches Daten an die Finanzbehörden des Wohnsitzlandes des Anlegers weitergibt, ist in Liechtenstein aufgrund des absoluten Steuergeheimnis­ ses nicht umsetzbar. Mit der Einführung einer Quellensteuer als Alter­ native dürften insbesondere Holding- und Sitzgesellschaften, inklusive der Stiftungen, anvisiert werden. Die Besondere Gesellschaftssteuer (Kapitalsteuer nach Art. 82ff. SteG) beträgt ein Promille des ausgewie­ senen Gesellschaftskapitals, mindestens jedoch CHF l'OOO im Jahr. Bei Stiftungen gibt es je nach Höhe des Vermögens einen gestaffelten Steuersatz. Nach der Mehrwert- sowie der Vermögens- und Erwerbs­ steuer bildete die besondere Gesellschaftssteuer den drittgrössten Pos­ ten bei den Gesamtsteuereinnahmen im liechtensteinischen Haushalt des Jahres 1997.'10 Wie hoch der Anteil der Steuervermeidung an dieser Einnahmequelle ist, bleibt unklar. Aber gleich, ob Liechtenstein nun als «Steuervermei­ dungsplatz» oder als «normaler» Anlageplatz genutzt wird - in jedem Fall dürfte es von grösserer Bedeutung sein, das Steuer- und Bankge­ heimnis bewahren zu können, als die Einführung einer Quellensteuer abzuwenden. 
Sele schreibt diesbezüglich, «dass es für die Offshore- Zentren immer dann kritisch wird, wenn ihre Vorteile in den Bereichen Bankgeheimnis, Steuern sowie Amts- und Rechtshilfe verloren zu gehen drohen».111 Diese Einsicht hat offensichtlich auch Luxemburg zum Ent­ gegenkommen in Steuersachen bewogen, da der Ruf des Finanzplatzes vielmehr von einer gewissenhaften Geheimnisschutz- und Geldwäsche­ reigesetzgebung, denn von der Einführung einer Steuer abhängt. Der EWR-Beitritt hat Liechtenstein schliesslich eine wichtige Option eröffnet: die Möglichkeit, den Vermögens- und Finanzdienstleistungs­ sektor zu diversifizieren und somit gegenüber externen Einflüssen, wie zum Beispiel dem EU-Ansinnen auf Steuerharmonisierung, besser ge­ rüstet zu sein. 110 Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Rechenschaftsbericht 1997, S. 111. 111 Sele 1995, S. 227. 179
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.