Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000131393/175/
Künftige europäische Herausforderungen Die bisherigen Formulierungen im Richtlinienentwurf bezüglich der Einbindung von Drittstaaten und assoziierten Gebieten gehen Luxem­ burg nicht weit genug. Bisher sieht der Richtlinienvorschlag der Kom­ mission lediglich vor, dass die EU-Mitgliedstaaten zusichern, der Richt­ linie vergleichbare Massnahmen in Drittstaaten zu fördern. Aus dieser Formulierung ergeben sich keine automatischen Verpflichtungen für Drittstaaten. Um nach der Umsetzung der Richtlinien Staaten ausser­ halb der Union für Steuerflüchtige nicht noch attraktiver zu machen, verlangen neben Luxemburg auch andere EU-Staaten, dass die künftige Richtlinie über die Kapitalerträge «spezielle» Bestimmungen für Dritt­ länder enthalten sollte, die nicht zur Anwendung des EU-Systems bereit sind.87 Schliesslich verlangt Grossbritannien eine Ausnahmeregelung für Euro-Anleihen88. Das Vereinigte Königreich befürchtet, dass es nach der Einführung einer 20 %-igen Quellensteuer zu einer massiven Abwande­ rung des Euro-Anleihemarktes aus der Londoner City kommt.89 Der Einfluss verschiedener Finanzmarktorganisationen hat im Dezember 1998 dazu geführt, dass der britische Regierungschef 
Blair mit einem Veto in Sachen «Steuerkoordination» drohte.90 Diese rigorose Haltung wurde allerdings bereits eine Woche später durch eine gemeinsame Erklärung des britischen und des deutschen Regierungschefs relativiert. In diesem Schreiben betonen beide abermals die «Notwendigkeit einer verstärkten Koordination beim Kampf gegen Steuermissbrauch und Steuerhinterziehung».91 Um den Sorgen Grossbritanniens entgegenzu­ kommen, wurde erwogen, den Grosshandel mit Eurobonds von der Steuerpflicht auszuschliessen.92 Dies wäre jedoch wiederum eine Vorge­ hensweise, mit der sich insbesondere Luxemburg nicht einverstanden erklären könnte.93 87 Agence Europe, 30.11 ./1.12.1998, S. 4. 88 Euro-Anleihen werden auf Euromärkten ausgegeben. Im Gegensatz zu nationalen Finanzmärkten, auf denen in der Währung des eigenen Landes operiert wird, wird auf Euromärkten mit allen internationalen Währungen gehandelt, die sich ausserhalb ihres Ursprungslandes befinden 
(Sele 1995, S. 55). ?' Siehe auch 
Neue Zürcher Zeitung, 19.4.1999, S. 21; 
Neue Zürcher Zeitung, 21.5.1999, S. 33. 90 Neue Zürcher Zeitung, 4.12.1998, S. 25 («Britischer Aufruhr...»). 91 Agence Europe, 11.12.1998, S. 7. 92 Agence Europe, 22.5.1999, S. 10. 93 Agence Europe, 31.5./1.6.1999, S. 12f. 175
        

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