Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000131393/173/
Künftige europäische Herausforderungen Verzerrungen auf dem Binnenmarkt haben ihre Ursache insbesondere in verschiedenen steuerlichen Vergünstigungen für Unternehmen oder Finanz- und Versicherungsdienste.76 So können multinationale Unter­ nehmen z.B. die Niederlande als Sitz ihrer Dachgesellschaft wählen. Als Gegenleistung müssen diese dann nur 20 % ihres weltweiten Konzern­ gewinns in den Niederlanden versteuern 
(«Dutch Ruling Practice»).77 Auch Zinserträge müssen in einigen EU-Ländern nicht versteuert wer­ den. So erheben Dänemark, die Niederlande und Luxemburg weder von Inländern noch von Ausländern eine Quellensteuer auf Zinserträge.78 Es wird geschätzt, dass aufgrund dieser Steuerpraktiken zwischen 1992 und 1998 umgerechnet rund CHF 400 Mrd. aus Deutschland abgeflossen sind.79 
Der Verlust an Steuereinnahmen für Grossbritannien wird auf jährlich umgerechnet rund CHF 160 Mrd. geschätzt.80 Einzelne Studien weisen darauf hin, dass die im Rahmen des Binnen­ marktes vorangetriebene Liberalisierung der Kapitalmärkte dem Pro- duktionsfaktor «Kapital» eine hohe Mobilität verliehen hat. Diese Mobi­ lität verhilft dem Kapital sich rasch dorthin zu bewegen, wo es der nied­ rigsten Steuerbelastung unterliegt. Auf der anderen Seite ist der Produk­ tionsfaktor «Arbeit» nicht in diesem Masse mobil. Er wird deshalb im Vergleich zum «Kapital» übermässig besteuert. Eine Studie der deut­ schen Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass die steuerliche Belastung des Faktors «Arbeit» zwischen 1980 und 1994 im EU-Durchschnitt von 37.7 % auf 40.5 % gestiegen ist, während die der anderen Faktoren, wie z.B. «Kapital» und «Energie», von 44.1 % auf 35.2 % gesunken ist.81 Ziel der verstärkten Steuerkoordination ist deshalb eine gleichmässigere Ver­ teilung der Steuerlast zwischen «Kapital» und «Arbeit» zu erreichen.82 Die Harmonisierungsmassnahmen der EU können aber selbstver­ ständlich nicht die alleinige Lösung dafür sein, die Steuererosion in eini­ gen EU-Mitgliedstaaten aufzuhalten. Deutschland beispielsweise ist vor allem dazu angehalten, auf nationaler Ebene die Lohnnebenkosten zu senken und auch auf der Ausgabenseite des Staatshaushalts, d.h. im Sub­ 76 Für einen Überblick siehe 
Agence Europe, 30.1 
\J\. 12.198, S. 8. 71 Süddeutsche Zeitung, 29.1.1999. 78 Der Spiegel, Nr. 21, 1998. Auch in Deutschland sind Gebietsfremde von der Zinsbe­ steuerung ausgenommen 
(Bach 1999, S. 7). ™ Der Spiegel, Nr. 21, 1998. 80 Manfred Fischer 1998. 81 Kamppeter 1997; 
Bach 1999, S. 15. 82 Agence Europe, 25.11.1998, S. 6. 173
        

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