Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000131393/122/
Konsequenzen der EWR-Mitgliedschaft für die Wirtschaft Schliesslich stellt der Sektor «Investmentunternehmen»102 einen wei­ teren dynamischen Wachstumsmarkt dar. Seit die liechtensteinische Re­ gierung mit dem «Gesetz über Investmentunternehmen»103 im Juli 1996 die rechtlichen Grundlagen schuf, hat sich das Nettofondsvermögen der mittlerweile 13 (Stand Mai 1999) liechtensteinischen Investmentgesell­ schaften vervierfacht.104 
Aus steuerrechtlicher Sicht werden Investment­ unternehmen wie Sitzgesellschaften behandelt. Ebenso wie 
Captives sind sie von der Couponsteuer entbunden, unterliegen aber aufgrund des Zollvertrages dem Schweizer Stempelsteuerrecht.105 Insgesamt hat der liechtensteinische Finanzdienstleistungssektor in den letzten Jahren einen Wachstums- und Diversifizierungsschub erlebt. Die EWR-Mitgliedschaft scheint daran nicht ganz unschuldig zu sein, denn die Mitgliedschaft garantiert aufgrund des 
«single-licence»-Pnn- zips106 (Einheitslizenz) und der Heimatlandkontrolle107 zum einen den freien Zugang zum EU-Binnenmarkt und zum anderen weiterhin die Aufsicht durch die heimischen Behörden. Gleichzeitig konnte der Stan­ dort Liechtenstein seine günstigen Rahmenbedingungen (z.B. politische Stabilität, Gesellschafts- und Steuerrecht, Geheimnisschutz für Kunden) konservieren. 
Sele hat vor dem liechtensteinischen EWR-Beitritt in die­ sem Zusammenhang ausgeführt, dass «ein Beitritt Liechtensteins zum EWR ... den liechtensteinischen Banken neben verstärkter Konkurrenz auf dem Heimatmarkt den diskriminierungsfreien Zugang zu den europäischen Finanzplätzen [bringt]. Sie erhalten die Möglichkeit, die Vorjahren eingeleitete In- ternationalisierung fortzusetzen und zusätzliches Marktpotential zu 102 Als Anlagetypen gelten Investmentunternehmen für Wertpapiere, für Immobilien und für andere Werte. Rechtlich ist zwischen «Anlagefonds», welche die Rechtsform der Treuhänderschaft besitzen, und «Anlagegesellschaften», welche die Rechtsform einer Aktiengesellschaft besitzen, zu unterscheiden (Art. 3 IUG). 103 «Gesetz vom 3. Mai 1996 über Investmentunternehmen (IUG)», LGBI. 1996, Nr. 89. 104 Frommelt 1999, S. 3. 105 Büchel 1997, S. 5. Zum schweizerischen Stempelsteuerrecht siehe 
Interkantonale Kom­ mission für Steueraufklärung 1998, S. 37f. 106 Das 
«single-licence»-Prinzip garantiert die «gegenseitige Anerkennung der Zulassung; dies bedeutet, dass beispielsweise die Bankkonzession eines EWR-Landes dazu be­ rechtigt, in allen EWR-Ländern Dienstleistungen anzubieten oder Niederlassungen zu errichten». 
(Amt für Volkswirtschaft 1991, S. 11) 107 Die Heimat- oder Ursprungslandkontrolle garantiert die «gegenseitige Anerkennung der Überwachung ...; die Aufsichtsbehörde, welche die Muttergesellschaft kontrolliert, übt auch die Kontrolle über deren Niederlassungen im Ausland aus». 
(Amt für Volks­ wirtschaft 1991, S. 11) 122
        

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