Sinn wurde das Image des Fürsten sehr wohl gepflegt, auch wenn die Unterta- 
nen keine konkrete Vorstellung von der Person des Landesfürsten haben 
konnten. Dieser blieb, da er vor 1842 nie nach Liechtenstein kam, notwendi- 
gerweise eine abstrakte Vorstellung. Dass dann beim ersten Fürstenbesuch ein 
Volksfest mit grossem Hurra gefeiert wurde, zeigt deutlich, dass sehr wohl ein 
«emotionales» Bedürfnis bestand. Dieses Volksfest prägte das Bild vom guten 
Fürsten und diente damit der charismatischen Legitimation der Herrschaft. 
Die traditionellen Rechtfertigungsgründe reichten immer weniger aus, um 
den absolutistischen Herrschaftsanspruch zu schützen. Aufklärung und Bil- 
dung wirkten sich auch in Liechtenstein aus. Die Untertanen wurden zu- 
nehmend kritischer. Liechtenstein war keine Insel. Auch wenn es noch 
keine liechtensteinischen Zeitungen gab und das Bildungswesen im argen 
lag, so wuchsen die Einflüsse aus dem Ausland. Viele Liechtensteiner gingen 
als Saisonarbeiter ins Ausland und wurden mit neuen Ideen konfrontiert. Es 
gab auch vereinzelt Akademiker, die neue Ideen im Land pflanzten. Erinnert 
sei nur an das Motto unserer Tagung, an das Zitat von Peter Kaiser: «Wir 
wollen in Zukunft als Bürger und nicht als Untertanen behandelt werden.» 
Peter Kaisers «Geschichte des Fürstentums Liechtenstein» kritisierte das 
absolutistische System zumindest zwischen den Zeilen deutlich; er schrieb 
eine Geschichte «von unten», in der die demokratischen Traditionen hervor- 
gestrichen wurden. In solchen kritischen Äusserungen wie auch in den ver- 
schiedenen Verfassungsentwürfen aus den Jahren 1848/49 kommt das gestie- 
gene Selbstbewusstsein der Liechtensteiner sehr deutlich zum Ausdruck. 
Versuche, die absolutistische Herrschaft rational zu rechtfertigen, sind noch 
kaum erkennbar, wenigstens nicht in dem Sinn, dass versucht worden wäre, 
die geltende absolutistische Ordnung positiv von anderen Herrschaftsfor- 
men abzuheben. Das Selbstverständnis des Absolutismus, dass die obrig- 
keitlichen Beamten besser ausgebildet und klüger seien als die «dummen 
Bauern», eignete sich kaum, um eine dauerhafte absolutistische Herrschaft 
ideologisch zu rechtfertigen. Vielmehr begründete gerade eine solche Ein- 
stellung der Beamten deren Ruf, arrogant zu sein, und untergrub damit die 
Akzeptanz des ganzen Systems. 
Mit der Revolution von 1848 erfolgte nun ein ideologischer Bruch mit den 
alten Rechtfertigungsmustern, ohne dass dies in der öffentlichen Diskus- 
sion deutlich zum Ausdruck kam. So wurden Zoll, Weggeld, Umgeld und 
Feudalabgaben zu Staatseinnahmen erklärt, obwohl es sich dabei nach den 
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