schaften breit. Auch in der Hauptstadt wurde das Gleichheitsprinzip zum 
Anlass für Beleidigungen und Angriffe auf den Fürsten genommen. Bei- 
spielsweise klingt die Antwort eines Nationalgardisten auf dessen Bitte, in 
einem der liechtensteinischen Häuser Wachtposten einzurichten, ausgespro- 
chen süffisant. Von der Zeitung «Junges Österreich» wurde dem Fürsten 
im April unter anderem vorgeworfen, für die kostspielige Ausstattung seines 
neuadaptierten Majoratspalais in der Bankgasse, das — in dieser politischen 
Situation vielleicht nicht ganz passend — zwei Monate zuvor mit einem 
grandiosen Fest eingeweiht worden war, bevorzugt ausländische Handels- 
erzeugnisse verwendet zu haben und darüber hinaus reaktionäre Bestrebun- 
gen zu unterstützen. Die vom Fürsten verfasste Entgegnung wurde auf sei- 
nen ausdrücklichen Wunsch unter Wahrung strengster Anonymität der Zei- 
tung zur Veröffentlichung zugestellt. 
Gleichwohl gestaltete sich die Situation für die Liechtenstein in der Haupt- 
stadt verhältnismässig ruhig. Die Häuser des Fürsten waren von den Tumul- 
ten im März nicht betroffen. Am 16. des Monats floh Metternich mit Hilfe 
Alois’ II., dessen Sohn Rudolf und eines weiteren Familienmitglieds nach 
Feldsberg, stiess dort auf den vehementen Widerstand der einheimischen 
Bevölkerung und reiste sechs Tage später wieder ab. Etwas zögernd und, wie 
er dem Staatskanzler schrieb, nur dem Beispiel des Deutschen Ordens- 
hauses folgend, hängte der Fürst ebenso wie andere Adelsfamilien in den 
ersten Apriltagen die schwarz-rot-goldene Fahne am Majoratspalais aus. 
Etwa gleichzeitig traf die Nachricht vom Ausbruch von Unruhen im Für- 
stentum ein. Bereits am 19. März hatte der Fürst den Liechtensteinern die 
Anpassung ihrer gesetzlichen Lage an die in Österreich zu erwartenden 
Veränderungen zugesagt. Nun bewilligte er unter anderem die Wahl einer 
Volksvertretung und hob den Novalzehnten auf. Weitere Reformen voll- 
zogen sich in der Folge im üblichen Rahmen. Anfang Juni begab sich der 
Fürst auf seine südmährischen Besitzungen, wo er sich, nach einem kurzen 
Aufenthalt in Seebenstein, auch zum Zeitpunkt der Oktoberrevolution be- 
fand. Seinen Erkundigungen nach dem Ausmass der Zwischenfälle und der 
Frage, ob es allenfalls angebracht sei, die Flucht zu ergreifen, folgten An- 
ordnungen zum Schutz der Wiener Palais. Er rief die entflohenen fürst- 
lichen Angestellten zurück, um Sicherungsmassnahmen gegen Übergriffe 
und Brände zu treffen und um die wertvolleren Einrichtungsgegenstánde, 
soweit diese transportabel waren, aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. 
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