1847 bestanden, aber bis Ende Jahr keine Sitzungen durchgeführt. Erst nach 
dem Ausbruch der französischen Februarrevolution (23. Februar) wurde die 
Arbeit an der Verfassung vorangetrieben.” Zentrale Fragen wurden schon zu 
diesem Zeitpunkt auch in der Bündner Presse erörtert, so zum Beispiel das 
Problem des Föderalismus, vor allem aber auch die Diskussion der Form der 
nationalen Volks- und Kantonsvertretung. Die drei liberalen Churer Blätter 
«Bündner Zeitung», «Der Freie Rhätier» und der «Liberale Alpenbote» nah- 
men dabei einen gemässigten, föderalistischen Standpunkt ein, die konser- 
vative «Churer Zeitung» hätte lieber nur eine kleine Revision des Bun- 
desvertrags von 1815 gesehen. Die Tagsatzung diskutierte den Entwurf im 
Mai und Juni. Die grossen Differenzen zwischen Zentralisten und Födera- 
listen, Anhängern der Volkssouveränität und der Kantonssouveränität, be- 
günstigten schliesslich den Kommissionsentwurf, der die Schaffung eines 
Bundesstaats mit einem Zweikammersystem nach amerikanischem Vorbild 
vorsah. Die neue Verfassung wurde am 27. Juni von der Tagsatzung mit 
13 von 22 Standesstimmen angenommen. Die Abstimmungen in den Kan- 
tonen bis Ende des Sommers ergaben eine Zustimmung von 15 1/2 Kanto- 
nen. Graubünden nahm am 20. August mit 54 zu 12 Gerichtsgemeinde- 
stimmen sehr deutlich an. Schon die einstimmige Verabschiedung der 
Verfassungsvorlage durch den Grossen Rat am 1. August hatte grosse Be- 
geisterung hervorgerufen.!? 
Ich werfe nun noch einen Blick auf die Verfassungsdiskussionen im Gros- 
sen Rat, die dem Entscheid vorangegangen waren.!! Strittig waren vor allem 
zwei Bereiche: Wie sollten die Ausfálle bei den Transitgebühren, Binnen- 
zôllen und Weggeldern durch den Bund entschädigt werden? Die Frage 
konnte im Kanton natürlich nicht gelöst werden, es musste bei vagen In- 
struktionen an die Tagsatzungsgesandten bleiben. Die Angst vor Einnah- 
menausfällen im kantonalen Haushalt führte dazu, dass der Grosse Rat am 
Nachmittag des 1. August, nach der gloriosen Annahme der Bundesverfas- 
sung, eiligst eine Konsumsteuer auf einheimischem Landwein einzuführen 
versuchte, die bei den Produzenten im Churer Rheintal auf Empörung stiess 
und natürlich in der späteren Abstimmung in den Gemeinden haushoch 
abgelehnt wurde.!? Die zweite Frage betraf die «National-» und die «Kan- 
tonalsouveränität». Konservative und Liberale stritten vor allem über die 
Frage der Gestaltung der Tagsatzung beziehungsweise des Parlaments und 
über den Wahlmodus für die Abgeordneten. 
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