Aufständen und militärischen Auseinandersetzungen führte, ist in den kur- 
zen, aufgeladenen Sätzen des jungen Zeitgenossen deutlich spürbar: der 
Ausbruch revolutionärer Unruhen stand nicht nur in Deutschland, sondern 
auch in Österreich, Italien, Ungarn unmittelbar bevor. 
Freilich hatte es in den verschiedenen europäischen Ländern schon länger 
gegoren und die Nachricht von den Pariser Vorfällen brach nicht ganz über- 
raschend auf Europa herein. Seit dem Wiener Kongress, dem grossen Be- 
friedungswerk, das nach der ersten grossen Französischen Revolution in 
Europa Ruhe und Ordnung wiederherstellen beziehungsweise neu errich- 
ten hatte wollen, hatte es eine ganze Reihe von Unruhen gegeben: 1820/21 in 
Spanien, Neapel, Piemont, in Griechenland, dessen Kampf um die Freiheit 
von den Gebildeten ganz Europas unterstützt wurde, 1830/31 in Frank- 
reich, in Italien, in der Schweiz und in Belgien, das 1830 seine politische 
Unabhängigkeit erreichte und dank seiner 1830 errungenen Verfassung und 
Souveränität zum europäischen Vorbildstaat avancierte; 1832 war es unter 
dem politischen Druck bürgerlicher Schichten zu einer Wahlrechtsreform in 
England gekommen, 1844/45 kam es zu weiteren Aufständen und Unru- 
hen in der Schweiz, 1846/47 zu Tumulten in deutschen Städten, in Gali- 
zien und Krakau; das ganze Jahr 1847 war bereits von lokalen Konflikt- 
herden gekennzeichnet — es gab Unruhen in Deutschland und Italien, in 
Paris, in der Schweiz, welche dem Jahr 1847 bereits nach Beendigung des 
sogenannten Sonderbundskrieges ihre Existenz als «moderner» Verfassungsstaat 
verdankt.? 
Überdies waren diese Jahre vor 1848 auch wirtschaftlich für Europa keines- 
wegs einfach: Missernten hatten teilweise zu Unterversorgung geführt, man- 
chenorts handelte es sich bei den Unruhen auch um aus der Not geborene 
Hungerkrawalle, die grosse Choleraepidemie der 30er Jahre hatte die Be- 
völkerung geschwächt, kurz: das Jahr 1848 fiel in eine unruhige und beun- 
ruhigte Zeit.? 
In eine Zeit, welche offenbar noch wenig brauchbare Antworten und blei- 
bende Lösungen gefunden hatte für die ungeahnten Herausforderungen, vor 
die sie gestellt wurde. Die konkrete Realisierung der abstrakten Prinzipien 
von Freiheit und Gleichheit, welche das hoffnungsvoll aufgeklärte 18. Jahr- 
hundert dem 19. Jahrhundert als Erbe hinterlassen hatte, bedeutete eine 
Aufgabe für viele Generationen: Die Umwandlung einer in jahrhunderte- 
alten feudalen Traditionen wurzelnden Ständegesellschaft, die auf dem Prin- 
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