18. Jahrhundert eingesetzt, aber wesentlich später ihren Abschluss gefunden 
habe. Der Befreiungsprozess wurde erst 1848 entscheidend in Gang gesetzt. 
1848 bedeutete in der liechtensteinischen Agrar- und Sozialgeschichte eine 
entscheidende Etappe in einer sich über ein ganzes Jahrhundert hinziehen- 
den Entwicklung, welche die bäuerliche Wirtschaft und Gesellschaft grund- 
legend wandelte. Die Bauernbefreiung brachte in Liechtenstein einerseits 
die angestrebte Befreiung von herrschaftlichen Lasten und Bindungen und 
damit das Ende des Feudalsystems, andererseits aber auch den Abbau der ge- 
nossenschaftlichen Strukturen und kollektiver Lasten. In der Folge wandel- 
ten sich die Art der Bebauung, Besteuerung und Besitzverteilung des Bo- 
dens, und damit auch Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. 
Roland Steinacher vergleicht in seinem Referat die Lebensläufe und poli- 
tischen Positionen der Bildungsbürger Peter Kaiser und Franz Josef Oehri, 
die 1848 in Liechtenstein eine führende Rolle spielten. Wie war ihr Bildungs- 
hintergrund, welcher Art waren ihre Weltsicht und ihre politischen Ansich- 
ten, von welchen Umständen und Gruppen wurden sie geprägt? Franz Joseph 
Oehri und Peter Kaiser sind Jahrgänger aus der gleichen Gemeinde. Beide 
Liechtensteiner studierten auch in Wien. In der Revolution 1848 verhielt 
sich Kaiser wie die meisten Liberalen im deutschen Bund: Einerseits mässigte 
er die Bevölkerung, andererseits nutzte er den entstandenen Druck zur Durch- 
setzung politischer Ziele. Er war politischer Akteur. Oehri war neben dem 
Landesverweser Johann Michael Menzinger der einzige Jurist Liechten- 
steins und kommentierte im Auftrag Menzingers lediglich einen Verfas- 
sungsentwurf Peter Kaisers. Oehri und Kaiser gehen in wesentlichen Punk- 
ten von ähnlichen oder analogen Interpretationen aus. Franz Josef Oehri ist 
jedoch nur in zweiter Linie politisch tätig, Peter Kaiser war dagegen im 
ersten Glied engagiert. 
Peter Geiger, der an der Tagung auch einen ereignisgeschichtlichen Über- 
blick gab, formuliert in seinem Referat elf Thesen zur Revolution in Liech- 
tenstein: (1) Die Revolution als Kopie und Original, (2) die 1848er Revolu- 
tion ist in Liechtenstein gelungen, (3) materielle Interessen waren für die 
liechtensteinische Revolution zentral, (4) 1848 ist das Geburtsjahr der De- 
mokratie in Liechtenstein, (5) 1848 sind Grundfragen des Staates und des 
Rechts angegangen worden, (6) das Verhältnis zwischen dem Volk und dem 
Fürsten wurde 1848 gefestigt, (7) die Verfassungsarbeit in Frankfurt hat den 
liechtensteinischen Horizont geöffnet, (8) 1848/49 war Liechtensteins Selb- 
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