Einzig die Elemente Monarchie und Staatsbürgerschaft, welche sich direkt 
an der staatlichen Organisation festmachen, sind in einem Nationalstaat 
wie Liechtenstein® ausschliesslich für die Stiftung nationaler — und nicht 
etwa regionaler oder kultureller — Identität relevant. Das heisst aber nicht, 
dass diese beiden. Elemente zwangsläufig nationale Identität stiften. So zeigt 
es sich zum Beispiel, dass Staatsbürgerschaft und Nationalität sich nicht 
unweigerlich mit nationaler Identität decken. Wer die liechtensteinische 
Staatsbürgerschaft besitzt oder erwirbt, erhält damit nicht quasi automatisch 
eine liechtensteinische Identität oder ein liechtensteinisches Zusammen- 
gehörigkeitsgefühl. Das gleiche gilt auch umgekehrt: Wer sich der liechten- 
steinischen Gesellschaft zugehörig fühlt, muss nicht unbedingt liechten- 
steinische Staatsbürgerin beziehungsweise Staatsbürger sein. 
Das identitätsstiftende Potential der Monarchie schliesslich ist grundsätzlich 
sehr gross, stützt es sich doch auf den Mythos einer liechtensteinischen 
Grossfamilie, in der das Fürstenpaar die Rolle der beschützenden Eltern 
übernimmt und das Volk unter seinen Fittichen vereint und vor Unheil 
bewahrt. Doch obwohl gerade dieser Mythos — man könnte auch sagen 
dieses Märchen — in den Köpfen der Liechtensteinerinnen und Liechten- 
steiner noch sehr präsent ist, so wird es mehr und mehr verdrängt durch die 
Realität und die Tatsache einer nicht immer einfachen Entscheidungsfin- 
dung, die diese Staatsform mit sich bringt. Während also die Monarchie nach 
innen an identitätsstiftender Bedeutung verliert, so hat sich dieses Potential 
nach aussen hingegen bislang unverändert stark erhalten. Das rührt daher, 
dass die Monarchie als Staatsform innerhalb Europas eine Ausnahme und 
deshalb ein spezifisches Merkmal Liechtensteins ist. Wären die Schweiz und 
Österreich auch Monarchien, so hätte das Element in der Abgrenzung gegen 
aussen kaum mehr identitätsstiftende Bedeutung. Denn um noch einmal in 
Erinnerung zu rufen: die Bedeutung oder der Inhalt der nationalen Identi- 
tät bildet sich erst heraus durch die Auseinandersetzung und Abgrenzung 
gegen aussen, und dafür sind im jeweiligen Kontext nur bestimmte Elemente 
geeignet. Wären also beispielsweise die Schweiz und Österreich Diktatu- 
ren, so würde plötzlich in der liechtensteinischen Identitätsstiftung das Ele- 
ment der Demokratie relevant, das heute in diesem Zusammenhang kaum 
erwähnt wird. 
In diesem Sinne sind Dialekt, Monarchie, Geschichte, Staatsbürgerschaft 
und Umfeld keine massiven Säulen, auf welchen die liechtensteinische Iden- 
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