totaler Verarmung geboten. Dieser Schutz war nun nicht mehr gegeben. Er 
musste durch staatliche Massnahmen ersetzt werden. Diese Schattenseiten 
der Bauernbefreiung wären es wert, näher untersucht zu werden. 
Schluss 
In Liechtenstein setzte die Bauernbefreiung gleich wie in Deutschland und 
Österreich im späten 18. Jahrhundert ein, fand aber wesentlich später ihren 
Abschluss. Die Gesellschaft war hier 1848 nach wie vor agrarisch und nicht 
wie in den genannten Ländern industrie-bürgerlich und -proletarisch ge- 
prägt. In Liechtenstein wurde der Befreiungsprozess 1848 zwar entschei- 
dend in Gang gesetzt und unumkehrbar beschleunigt, war aber noch nicht 
wie in vielen anderen Ländern endgültig abgeschlossen. 1848 bedeutete 
in der liechtensteinischen Agrar- und Sozialgeschichte eine entscheidende 
Etappe in einer sich über ein ganzes Jahrhundert hinziehenden Entwick- 
lung, welche die bäuerliche Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend ver- 
wandelte. Die Bauernbefreiung war eine Reform, die unter Einfluss von 
aussen vorübergehend revolutionäre Züge hatte. Ihr Ergebnis ist als revo- 
lutionär zu werten. Sie endete mit dem Triumph des (Agrar-)Individualismus 
über die von gemeinschaftlicher Nutzung und kollektiven sowie feudalen 
Lasten geprägte alte Landwirtschaft. 
Der Abbau der genossenschaftlichen und herrschaftlichen Strukturen be- 
stand im wesentlichen darin, dass einerseits die Allmenden aufgeteilt 
(«Gemeinheitenteilung»), der freie Weidegang aufgegeben und der Boden 
der Einzelnutzung überlassen wurden. Im gleichen Zug wurden der Zehnt 
und die verschiedenen sogenannten Feudallasten abgeschafft. Die Bauern- 
befreiung brachte in Liechtenstein einerseits die von den Bauern ange- 
strebte und geforderte Befreiung von herrschaftlichen Lasten und Bindun- 
gen und damit das Ende des Feudalsystems, andererseits aber auch den von 
der landesherrlichen Obrigkeit verlangten Abbau der genossenschaftlichen 
Strukturen und kollektiven Lasten (Gemeinfronen, Trattrecht). In der Folge 
wandelten sich die Art der Bebauung, Besteuerung und Besitzverteilung des 
Bodens, und damit auch Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. 
 
        

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