Auch das Umfeld des Landwirtschaftsbetriebs des 
Bürgerheims veränderte sich nach dem Zweiten 
Weltkrieg grundlegend. In Vaduz war der Wandel 
Liechtensteins vom Agrarland zum Industrie- und 
Dienstleistungsstandort besonders früh und 
deutlich zu spüren. Vieh und Fuhrwerk auf, der 
Strasse waren immer weniger erwünscht. Land- 
wirtschaft in unmittelbarer Náhe eines zeit- 
gemássen Spitalbetriebs wurde untragbar. Zudem 
che Betrieb auf dem neu errichteten Riedhof. Beim 
Bürgerheim in Vaduz blieben neben den Barm- 
herzigen Schwestern einige «Pfründner» und der 
, Hühnerhof. Mit dem Sozialhilfegesetz von 1966, 
\ das die Bürgergemeinde von der Fürsorgepflicht 
| für ihre Mitglieder befreite, verloren Name und 
i Institution ‘Biirgerheim’ ihren eigentlichen Sinn. 
J Ab 1972 scheint der Begriff in der Gemeinde- 
y ; à 
» rechnung nicht mehr auf. Neu wird das Kranken- 
   
  
  
  
  
  
  
  
war der in Vaduz vom Bürgerheim bewirtschaftete = 
Gemeindeboden für die verbliebenen Landwirte als 
Pachtboden sehr begehrt. Er konnte 
ihre Betriebsgrundlage verbessern 
und einen gewissen Ersatz für den 
durch rege Bautätigkeit bewirkten 
Verlust an Landwirtschaftsboden 
bieten. 
Bau des Riedhofs - Ende des 
Bürgerheimbetriebs 
Aus den genannten Gründen be- 
auftragte die Gemeinde 1961 Ing. 
agr. Ernst Ospelt und Architekt 
Bruno Ospelt, ein Projekt für ein 
Ökonomiegebäude im Ried auf der 
Mittleren Länge südlich des Scheid- 
grabens zu erarbeiten. Der Planung 
zugrunde lag eine Betriebsfläche 
von 40 Hektaren. Dazu gehörte 
auch eine grössere Fläche Vaduzer 
Kirchengut. Gerechnet wurde im 
Endausbau mit rund 100 Stück 
Rindvieh und 250 Mast- und Zucht- 
schweinen. Das Wohnhaus wurde 
für zwei Knechtefamilien und eini- 
ge «Bürgerheiminsassen» ausge- 
legt. Auch Absolventen einer land- 
wirtschaftlichen Lehre wurden 
berücksichtigt. Allenfalls könnte 
aus Landesmitteln auch eine land- 
wirtschaftliche Schule errichtet 
werden. Am 17. Mai 1963 schliess- 
lich bewilligte die Gemeindever- 
sammlung mit grossem Mehr 
einen Kredit von einer Million 
Franken für den Bau des Riedhofes. 
1964 begann der landwirtschaftli- 
geführt. 
  
  
scHLussgepaNkeN 
Die vor mehr als hundert Jahren geschaffene 
Einrichtung der Armenanstalt und des Bürger- 
heims sind Vergangenheit. Nur noch einige Fonds- 
titel der Gemeinderechnung erinnern schwach an 
sie. Die aus ihnen gewachsenen Einrichtungen 
unserer Zeit - Spital, Betagtenwohnheim und 
Riedhof - unterliegen aber durchaus Problemen, 
Fragen und Herausforderungen, die sich von jenen 
früherer Zeiten kaum unterscheiden. Letztlich sind 
alle unsere Sozialwerke auf die bewusst gelebte 
Solidarität des Einzelnen, auf ernsthaften 
Gemeinsinn und auf ein Grundmass an Ver- 
teilungsgerechtigkeit angewiesen. Die moderne 
ungehemmte Entfesselung der Individualkräfte 
unserer Tage, ausgerichtet allein auf schnellen 
Profit, könnte ein böses Ende haben. Diese Fest- 
stellung gilt auch für die Problematik der Krisen- 
vorsorge und der Rolle der Urproduktion in unse- 
rem Land. Versorgungsengpässe, gar Hunger, schei- 
nen für uns in Zeiten des totalen Überflusses und 
der Verschwendung unbekannte Begriffe aus 
längst vergangenen Tagen geworden zu sein. Das 
Raumschiff Erde hat aber bereits heute Vorrat nur 
für wenige Monate. Wir spüren es nicht, weil wir in 
einer Welt der ungerechten Ressourcenverteilung 
zu den Reichen gehören, die sich alles mit Geld 
kaufen können. Warum also sollten wir unsere Ur- 
produktionsflächen bewahren, die sich so leicht auf 
vielfältige Art versilbern lassen? Was aber, wenn 
wir oder unsere Nachfahren eines Tages auf der 
Schatten- und Verliererseite in der Welt stehen soll- 
ten? Fragen, mit denen wir uns auch am Tag der 
offenen Tür für den neu eröffneten Vaduzer Riethof 
konfrontieren lassen? 
   
2 haus Vaduz als selbständiger Verwaltungszweig
        

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