Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/61/
Der Beitrag der Public-Choice-Theorie erstes Untersuchungsfeld bilden (in der Tradition von Downs und Arrow) Abstimmungen und Wahlen, bei denen die Präferenzen der In­ dividuen aggregiert werden. Wie beeinflussen diese gesellschaftlichen Koordinationsmechanismen das Ergebnis der Entscheidungsfindung? Zum anderen geht die 
Public-Choice-Theorie davon aus, dass die handelnden Akteure (Politiker, Verwaltung, Interessensgruppen) ganz sicher nicht primär und ausschliesslich am 
Allgemeinwohl interessiert sind, sondern (auch) 
Eigeninteressen verfolgen: Die Politiker wollen ihre Macht erhalten beziehungsweise erlangen, die Verwaltung will ihren Einfluss ausbauen, die Verbände wollen die von ihnen präferierten Vor­ haben durchbringen. Der Kleinstaat dürfte sich bezüglich des politischen Prozesses nicht ganz grundsätzlich von grösseren Staaten unterscheiden. Allerdings sind einige 
Besonderheiten zu beobachten, die im weiteren auf ihre Auswir­ kungen hinsichtlich Aufgabenwahrnehmung und Ausgabenintensität analysiert werden. Bevor dies geschieht, muss zuerst eine zentrale Rah­ menbedingung für die Ausgabengebarung herausgestellt werden. Öffentliche Einnahmen als Begrenzung des Ausgabenvolumens Wenn es dem souveränen Kleinstaat gelingt, 
aus dem gesetzgeberischen Spielraum einen qualitativen Standortvorteil zu gewinnen, kann die po­ litische Souveränität auch wirtschaftlichen Wohlstand nach sich zie­ hen.30 Am Beispiel Liechtensteins seien diese Vorteile kurz ausgeführt: Im wesentlichen beruhen diese auf dem Personen- und Gesellschafts­ recht vom 20. Januar 1926, in dem bereits spezifische Gesellschafts­ formen für die Behandlung von Kapitalvermögen angelegt wurden.31 Mit dem Gesetz über die Landes- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 30. Januar 1961, in dem niedrige Steuersätze für in Liechtenstein angelegtes Kapital beschlossen wurden, war der Grundstein für die "Steueroase" gelegt. Mit der zunehmenden Freiheit im Kapitalverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg kam das im Gesellschaftsrecht angelegte Rechtsgefälle zu den grösseren europäischen Staaten erst richtig zum Tragen. Darüber hinaus 30 Voraussetzung ist allerdings ein stabiles politisches Umfeld. 31 Ein weiterer, inzwischen vergleichsweise weniger bedeutender Bereich, in dem die Sou­ veränität genützt werden kann, besteht in der Ausgabe von Briefmarken oder Münzen. 61
        

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