Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/40/
Grundzüge einer Theorie öffentlicher Aufgabenwahrnehmung Insgesamt spricht diese Sichtweise aufgrund vermuteter 
Grössen- und Kopplungsvorteile in der Produktion 
(economies of scale, economies of scope) vieler öffentlicher Leistungen tendenziell für eine stärkere Zentra­ lisierung der öffentlichen Leistungserstellung (siehe dazu Blankart 1994, S. 508 ff.)- 
Übertragen auf kleinstaatliche Verhältnisse bedeutet dies, dass bei vielen öffentlichen Leistungen das kostenoptimale Produktionskollek­ tiv die einheimische Bevölkerung (oft bei weitem) übersteigt.'3 2.2.1.3 Spillovers 
und fiskalische Äquivalenz Bevor konkret auf die Aufgabenwahrnehmung in Kleinstaaten einge­ gangen wird, erscheint es angezeigt, ein weiteres zentrales Konzept der Föderalismustheorie in die Diskussion einzubringen: jenes der 
räum­ lichen externen Effekte (spillovers). Wenn eine Gebietskörperschaft eine Leistung bereitstellt, die von externen Individuen benutzt wird oder von der andere Gebietskörperschaften profitieren, ohne dass diese dafür ent­ sprechend aufkommen, so liegen räumliche externe Effekte vor. Diese spillovers treten 
ceteris paribus in um so stärkerem Mass auf, je kleiner die Gebietskörperschaften strukturiert sind. Ubertragen auf kleinstaatliche Verhältnisse entstehen 
spillovers also dann, wenn die Infrastruktur der Nachbarregionen mitbenützt wird, ohne dass die Einwohner des Kleinstaates als Nutzer oder in Vertretung für seine Einwohner der Kleinststaat der anbietenden Nachbargebiets­ körperschaft ein adäquates Entgelt entrichtet.14 Um 
spillovers zu vermeiden, wird aus ökonomischer Sicht die norma­ tive Vorgabe aufgestellt, dass sich das Entscheidungskollektiv mit dem 13 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden für den eben beschriebenen Umstand, dass Kleinstaaten aufgrund ihrer begrenzten Einwohnerzahl das kostenoptimale Produk­ tionskollektiv häufig nicht erreichen, synonym als nicht realisierbare 
economies of Scale, als Nachteile fehlender Grösse oder als 
diseconomies of scale bezeichnet. Mit Bezug auf Abbildung 2.2 lässt sich die Bezeichnung als 
diseconomies of scale damit rechtfertigen, dass ausgehend von der in der Abbildung als optimal angenommenen Einwohnerzahl (80 000) die Durchschnittskosten mit abnehmender Bevölkerungszahl ebenfalls anstei­ gen. Genau diese Situation dürfte in vielen Fällen für Kleinstaaten zutreffen, nicht zu­ letzt bedingt durch öffentliche Projekte mit hohen Investitionskosten, aber suboptima­ ler Auslastung. 14 Für die betreffende Einrichtung mögen die Benutzer aus dem Kleinstaat gar nicht we­ sentlich höhere Gesamtkosten verursachen. Sie liefern im Gegenteil einen zusätzlichen Deckungsbeitrag, sofern sie ein positives Entgelt zahlen. Jedenfalls tritt eine Diskrepanz zwischen dem Finanzierungskollektiv (Kreis der Financiers) und dem Nutzerkollektiv (Kreis der Nutzer) auf. 40
        

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