Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/33/
Anreize für das Innenverhältnis tung" (Geser 1993, S. 45). Dies hängt auch damit zusammen, dass es im Kleinstaat - unter normalen Umständen und eine entsprechende geogra­ phische Lage vorausgesetzt - überproportional viele Aussenkontakte gibt. Damit kommt es zur Möglichkeit des 
ständigen Vergleichens mit den Verhältnissen im Ausland. Der Kleinstaat steht also unter einem ständigen und höheren Ver­ gleichsdruck. Um zentrifugalen Kräften entgegenzuwirken, muss der Kleinstaat - 
im ökonomischen, rechtlichen, politischen und im emotiona­ len Bereich - ein positives Gefälle zu seinen Gunsten erzeugen. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die 
Steuerpolitik ein geeignetes Instru­ ment, weil sie die Basis für Wohlstand legen kann und 
gemeinsamer Wohlstand einen besonderen "Kitt" für den inneren Zusammenhalt ab­ gibt. Darüber hinaus können diese Rolle auch in der Geschichte ge­ wachsene Ausprägungen von 
Institutionen, zum Beispiel monarchische Komponenten der Verfassung (wie in Liechtenstein oder Monaco) und Möglichkeiten der 
Selbstbestimmung oder besondere Anstrengungen und 
Erfolge im kulturellen oder 
sportlichen Bereich wahrnehmen. Um - als kleiner Exkurs - die 
Steuerpolitik noch unter einem anderen Aspekt anzusprechen, der einerseits zu Anreizen nach innen führt und andererseits einen wichtigen Beitrag von Kleinstaaten im Aussenverhält- nis darstellt: In der Geschichte führte exzessive Steuerpolitik immer wieder zu Sezessionen und zur Bildung von neuen Staaten (zum Beispiel Bostoner Tea-Party). Dies ist besonders dann zu erwarten, wenn sich eine (regionale) Minderheit von einer Mehrheit in einem Staatswesen ausgebeutet fühlt. So zeigen Buchanan und Faith (1987), wie die Option einer Sezession die Möglichkeiten der steuerlichen Ausbeutung einer Minderheit durch die Mehrheit "deckelt". Insofern 
sind Steuerfragen für die Grösse von Staaten von Bedeutung. Man könnte aber noch weiter gehen: Wie Koslowski (1998) ausführt, können in einer globalisierten Wirtschaft "kleine Länder einen Vorteil erlangen [...], wenn sie niedrige Steuersätze im Inland einführen und dadurch ausländisches Kapital aus den grossen Ländern mit hohen Steuersätzen anziehen. [...] langfristig kann dieser komparative Vorteil der kleinen Staaten die Steuerbasis der grossen Länder so aushöhlen, dass diese zu erheblichen Senkungen der Steuersätze gezwungen sind." So gesehen, hätten kleine Länder - oder auch 
Kleinstaaten - die 
wichtige Rolle, den Besteuerungs-Leviathan in anderen Staaten in Schach zu halten und ihn zu einer Harmonisierung nach unten zu zwingen. 33
        

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