Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/322/
Fallstudien zur Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben in Liechtenstein 8) Zur Umverteilungswirkung schulischer und universitärer Bildung: Eine Reihe von Studien belegt, dass sowohl weiterführende Schulen als auch Universitäten in einem hohen Ausmass von Ober- und Mit­ telschichtkindern genutzt werden. Das Institut für Wirtschaftsfor­ schung (1996) weist für Österreich nach, dass das Bildungssystem, wenn die (Steuer-)Finanzierung und die Ausgaben Einkommensklas­ sen zugerechnet werden, eine regressive Wirkung entfaltet, also zu einer Umverteilung von unten nach oben führt: Bezieher niedriger Einkommen finanzieren das Bildungswesen also in einem stärkeren Ausmass, als sie dieses nutzen.258 4.5.6 Zu Eigenfertigung vs. Fremdbezug im Bildungswesen Liechtensteins 4.5.6.1 Unterschied in Produktionskosten und Budgetbelastung Die Aufschlüsselung der liechtensteinischen Bildungsausgaben und der Vergleich mit Österreich in Punkt 4.5.3 ergab ein frappierendes Miss­ verhältnis: Während im Primär- und Sekundarschulwesen eine beträcht­ lich höhere Budgetbelastung vorliegt, kann dies für das tertiäre Bil­ dungswesen nicht festgestellt werden. Die Analyse deckte die wesentlichen Ursachen auf: Eine ungünstige Organisationsstruktur und beträchtlich höhere Personalausgaben sind für die Mehrausgaben im Primär- und Sekundarschulwesen verantwort­ lich. Offensichtlich schaffen es die einschlägigen Interessenvertreter (Schulbürokratie, Lehrerverbände, Eltern) in Liechtenstein besser als etwa ihre Schweizer Pendants, ihre Interessen im politischen Prozess durchzusetzen. Damit wird die Option Eigenfertigung für Liechtenstein zu einer vergleichsweise teuren Variante. Aus finanzpolitischer Sicht resultiert daraus (zwangsläufig) die Ge­ staltungsempfehlung, so viele Bildungsleistungen wie möglich aus dem Ausland zu beziehen, anstatt sie in Liechtenstein anzubieten. Dies er­ scheint für die Primär- und die Sekundarstufe I nicht besonders reali­ stisch. Hier sollten andere institutionelle Veränderungen Platz greifen (siehe Punkt 4.5.6.2). 258 Barr (1993) referiert gleichlautende Ergebnisse für Grossbritannien. 322
        

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