Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/30/
Grundzüge einer Theorie öffentlicher Aufgabenwahrnehmung 2.1.2 Anreize für das Aussenverhältnis Die Notwendigkeit zur "adaptiven Flexibilität" nach aussen ergibt sich aus der empirisch feststellbaren grösseren Verflechtungsintensität der Austauschbeziehungen (Rothschild 1993, S. 83). Es liegt im Eigeninter­ esse der Bewohner und Unternehmen des Kleinstaates, den Umweltver­ änderungen ein vergleichsweise grosses Augenmerk zu schenken, weil ein Grossteil relevanter Entscheidungen aussen getroffen wird und der Kleinstaat Optionsnehmer ist. Von ganz besonderer Bedeutung ist das 
Verhältnis zur unmittelbaren Umwelt, zu den angrenzenden Staaten. Wie das Beispiel der Nachfolge­ staaten des ehemaligen Jugoslawien zeigt, ist eine stabile Koexistenz mit den Nachbarn im Zeitablauf keine Selbstverständlichkeit. Sie ist beson­ ders dann gefordert, wenn ethnische und kulturelle sowie sprachliche Unterschiede zu den Nachbarn bestehen. Im Fall eines gutnachbarschaftlichen Verhältnisses kann der Klein­ staat mit den Nachbarn zu einer 
funktionalen Komplementarität finden (Geser 1993, S. 41). Diese kann sich auf die Leistungen der jeweiligen Volkswirtschaften oder aber auch auf die Staatsleistungen beziehen: - Bezüglich der 
Komplementarität der privaten Wirtschaft des Klein­ staates ist beachtlich, dass die 
Wirtschaftsstruktur des Kleinstaates mangels Grösse des Binnenmarktes und erzielbarer 
economies of scale im Hinblick auf Exporte nicht im Bereich industrieller Massenpro­ duktion, sondern eher im Bereich der Nischenproduktion, der Erstel­ lung von Spezialitäten - insbesonders im Dienstleistungsbereich - einen Schwerpunkt aufweisen wird. Funktionale Komplementarität kann sich aber auch importseitig auf den Bezug von Zulieferleistun­ gen sowie auf die Beschäftigung von Arbeitskräften aus der Nachbar­ schaft beziehen. Dies wird für Unternehmen und Privatpersonen des Auslandes at­ traktiv sein, für die betroffenen Staatshaushalte mag dies zu Steuer­ ausfällen, Devisenabflüssen etc. führen. Der Kleinstaat kann dabei beispielsweise durch ein besonderes Rechtsgefälle eine Nische beset­ zen und sich als Steuer-, Finanzdienstleistungs-, Spieler-, Unterhal- tungs-, Heirats- oder Scheidungs-"paradies" etablieren. - Bezüglich der 
Komplementarität staatlicher Leistungen ist vor allem von Interesse, in welchen Bereichen und in welchem Ausmass zwi­ schenstaatliche Kooperationen stattfinden (können). Der Kleinstaat 30
        

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