Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000130578/26/
Grundzüge einer Theorie öffentlicher Aufgabenwahrnehmung men und dem Kleinstaat seine diesbezüglichen Mängel, Abhängigkeiten und auch Bedrohungen entgegenzuhalten. 
Der sich selbst allein verteidi­ gende, autonome und autarke Staat ist - abgesehen vielleicht von Super­ mächten - 
ein überholtes Denkmodell. Im Vordergrund stehen unter den heutigen Trends der 
technologischen Entwicklung (zum Beispiel Sa­ tellitentechnik, Internet), der 
politischen Entwicklung (zum Beispiel In- ter- und Supranationalität) 
und der 
wirtschaftlichen Entwicklung (zum Beispiel Globalisierung, Liberalisierung und Integration) der grenzüber­ schreitende 
Austausch, die 
Kooperation, die 
Verflechtung, die 
Abgabe von Souveränität. Der Kleinstaat ist hier mentalitätsmässig grösseren Staaten voraus, weil er sich schon immer auf Kernbereiche der Souverä­ nität beschränken musste. Während sich für das Ziel der 
Prosperität eine ökonomische Analyse (aber nicht nur eine solche!) aufdrängt, können die politischen Dimen­ sionen 
Souveränität und 
Identität in Verbindung mit Staatengrösse nicht nur mit dem politikwissenschaftlichen (vgl. Dahl und Tufte 1973) oder dem kulturwissenschaftlichen (vgl. Kellenberger 1996), sondern auch 
mit dem ökonomischen Instrumentarium analysiert werden: Die Fragen lauten dann beispielsweise: In welchen staatlichen Aufgabenbe­ reichen kommt das besondere Ausmass an Souveränität des Kleinstaates zum Ausdruck und wie beeinflusst dies die Ausgabenintensität? In wel­ chen Aufgabenbereichen und mit welcher Ausgabenintensität spiegeln sich die Anstrengungen des Kleinstaates wider, eine spezielle Identität aufzubauen? Wenn von der Souveränität eines Staates gesprochen wird, so kommt man nicht umhin, eine wesentliche Grundströmung der 90er Jahre zu thematisieren. Sie könnte mit 
Entmächtigung des National­ staates durch Internationalisierung der Politik und Globalisierung der Wirtschaft umschrieben werden. Der einzelne Nationalstaat verliert zunehmend an Souveränität, verstanden als uneingeschränktes Gestal­ tungsrecht für die (rechtlichen) Rahmenbedingungen der auf seinem Territorium stattfindenden Aktivitäten. Die Trends der Zeit gehen in Richtung 1) Internationalisierung der Politik, 2) Globalisierung der gesellschaftlichen und ökonomischen Problemzu­ sammenhänge und 3) Individualisierung der Lebensführung im Rahmen westlicher Zivili­ sationsbedingungen (vgl. Kohler 1996). 26
        

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