LIECHTENSTEIN: «... EIN VÖLKLEIN VORSTELLEN » 
liechtensteinischer, sondern als «deutscher» Besitz bewertet und be- 
handelt; der damalige Fürst Franz Josef II. wurde, weil er im Sinne der 
Muttersprache «deutsch» war, als «Deutscher» - wie die vertriebenen, 
ausgebürgerten tschechoslowakischen «Sudetendeutschen» — und 
nicht als liechtensteinischer Staatsbürger, der er war, behandelt.5? 
Zusammenfassend kann man festhalten: Liechtenstein hat, ausser in 
der NS-Zeit, in seiner neuzeitlichen Geschichte keine schweren natio- 
nalen und ethnischen Konflikte erlebt. Die Liechtensteiner haben eine 
eigene Identität entwickelt. Sie beruht auf der Kleinheit und Über- 
blickbarkeit ihres Landes, auf der Geschichte, auf der Staatsform, auf 
Erfahrungen der Selbstbehauptung, auf Abgrenzung sowie auf dem 
Gefühl, einen ständig gefährdeten Sonderfall darzustellen, ein schutz- 
würdiges kleinstaatliches Biotop. Der kompensatorischen Identitäts- 
stützung dienen auch die seit den Jahren des Wohlstands aufgenomme- 
nen Anstrengungen, von der Welt nicht nur zu profitieren — vorab als 
Finanzplatz und Rosinenpicker — und in ihr zu brillieren — etwa im 
Sport —, sondern der Welt auch etwas zu geben, etwa durch karitative 
Organisationen, Entwicklungszusammenarbeit, Aufnahme von Kriegs- 
fliichtlingen, Rechtshilfe gegen Wirtschaftsverbrechen oder auch durch 
die von Fürst Hans-Adam 11. bei der UNO plazierte Initiative zur 
gewaltfreien Lôsung von nationalen Selbstbestimmungskonflikten. 
Regierungschef Otmar Hasler hat Ende 2001 seine Erwartung aus- 
gedrückt, Liechtenstein werde, wenn es im Innern human und nach 
aussen solidarisch seine Chance nütze, «weiterhin als wertvoller Part- 
ner in der Vôlkergemeinschaft wahrgenommen und geschätzt wer- 
den».53 Das liegt deckungsgleich auf der Linie dessen, was schon 1848 
52 Jana Pinterova, KnifZectvi Lichtenstejnsko a jeho vztahy s Ceskou republikou, 
od roku 1918 do soucasnosti se struénym historickym pfehledem (Das Fürsten- 
tum Liechtenstein und seine Beziehungen zur Tschechischen Republik, Mit 
einem einfachen historischen Uberblick von 1918 bis zur Gegenwart), Diplom- 
arbeit (masch.) an der Sozialwissenschaftlichen Fakultit der Universitit Karlo- 
vy, Prag 2000; ebenda 9o—98: Interviews der Verfasserin mit Furst Hans-Adam 11. 
(11.Januar 2000) und mit Botschafter Roland Marxer (Dezember 1999) sowie 
tschechische Dokumente (Anhang 1-8). 
53 Otmar Hasler, Liechtenstein — eine integrationspolitische Erfolgsgeschichte?, 
in: Jansen (Hg.), Beiträge (wie Anm. 48), 41-50, hier 50. 
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