PETER GEIGER 
  
entgegen, welche gerade das liechtensteinische Eigenständigkeits- 
streben stützten.3® Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches frei- 
lich war für die Liechtensteiner die Frage, wie weit sie deutsche Wur- 
zeln hätten, erledigt. Die Anfangsworte der Landeshymne «Oben am 
deutschen Rhein...» wurden ersetzt, sie lauteten fortan «Oben am jun- 
gen Rhein...». 
Liechtensteinischer Antisemitismus 
Jüdische Einwohner gab es in Liechtenstein für kurze Jahre im 
17.Jahrhundert?? und danach erst wieder im 20. Jahrhundert, ab den 
1930er Jahren als Folge der NS-Verfolgung. Ein latenter Antisemitis- 
mus hatte trotz fehlender jüdischer Bevölkerung Tradition, gespeist 
durch kirchliche Überlieferung und vage Stereotypen über Juden. Die 
liechtensteinischen Nationalsozialisten suchten die latent antijüdi- 
sche Haltung in der Bevölkerung für ihren radikalen, eliminatorischen 
Rassenantisemitismus zu nutzen. Schon im «Liechtensteiner Heimat- 
dienst», der von 1933 bis 1935 erschien, hiess es etwa, «Judengegner- 
schaft» liege im «natürlichen Empfinden» des liechtensteinischen 
Volkes.#° Die antisemitische Strômung erfasste zum Teil auch Nicht- 
nationalsozialisten. 
Andererseits lehnten die Regierung, einzelne Redaktoren, die 
Geistlichen und der grôssere Teil der Bevôlkerung den Antisemitismus 
und die Rassentheorie ab. Das «Liechtensteiner Volksblatt», das von 
Lehrer Alfons Kranz redigiert wurde, etwa hielt den Antisemiten des 
«Heimatdienstes» 1935 entgegen, es gebe in Liechtenstein keine «Ju- 
denfrage», und: «Menschen aber achten wir immer als Menschen».4! 
Als 1936 im nichtoffentlichen Landtag gegen die Finanzeinbiirge- 
rung eines deutschen Juden argumentiert wurde, stellte Pfarrer Anton 
Frommelt, Landtagspräsident und Regierungsrat, klar: «Es ist verfehlt, 
38 Peter Geiger, Politisches Wirken Peter Kaisers und Nachwirkungen im 20. Jahr- 
hundert, in: Geiger (Hg.), Peter Kaiser (wie Anm. 2), 27-41, hier 38-40. 
39 Karl-Heinz Burmeister, Die jüdische Gemeinde am Eschnerberg 1637-1651, in: 
JBL, 89 (1991), 153-176. 
40 Liechtensteiner Heimatdienst, 24. November 1934. Vgl. Geiger, Krisenzeit (wie 
Anm.29), Bd. 1, 400-412. 
L.Vo., 2.Juli 1935. 
  
  
        

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