Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
cop. 1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083886/22/
  
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Peter Geiger 
Welche Rolle spielten grenzüberschreitende Kontakte in der 
Revolutionszeit? 
Die revolutionären Ideen — das heisst die liberalen, demokratischen, teils 
republikanischen sowie deutschnationalen Gedanken — kamen grössten- 
teils von aussen nach Liechtenstein herein, über die in den süddeutschen 
Universitäten und Burschenschaften aufgenommene Bildung, über die 
Saisonarbeit in der Schweiz, wo überall seit 1830 Kantonsverfassungen ent- 
standen, auch über den Kontakt mit den unzufriedenen Feldkirchern und 
Vorarlbergern. Peter Kaiser war schon drei Jahrzehnte lang in der Schweiz 
tätig, er kannte das dortige politische Gedankengut. Dr. Karl Schädler war 
in den 1830er Jahren Arzt in Ems bei Chur und eidgenössischer Militär- 
arzt; da nahm er manches auf. Pfarrer Wolfinger wiederum hatte in dersel- 
ben Regenerationszeit im Sanktgallischen als Seelsorger gewirkt und sich 
mit Kantonsverfassungsentwürfen befasst. Ein Teil der in Liechtenstein 
wirkenden Pfarrer und Kapläne stammten aus der Schweiz. Franz Josef 
Ochri wiederum gehörte in Österreich offenbar zur liberalen, konstitutio- 
nellen Richtung. Andererseits empfingen der Landvogt und die paar wei- 
teren Beamten in Vaduz von der spätabsolutistisch orientierten Hofkanzlei 
aus ihre Direktiven; hier wirkte der Metternichsche Obrigkeitsstaat, von 
dem man in der Gesetzgebung möglichst viel übernahm, herein. 
Während der Revolutionszeit von 1848/49 selbst indes sind grenz- 
überschreitende Kontakte der Revolutionsführung wie der staatlichen 
Führung nur begrenzt feststellbar. Man schaute im Lande, was ander- 
wärts geschah, dann aber handelte man selber. Die Revolutionsführer im 
Lande wie die Ausschüsse entwickelten klare Vorstellungen, die sie in 
Forderungen und dann in die Verfassung umgossen. 
Die unmittelbare Ansteckung erfolgte von Feldkirch aus, nachdem 
dort im Gefolge der Wiener Ereignisse Unruhen ausgebrochen waren. 
Feldkircher stachelten in liechtensteinischen Wirtshäusern Einheimi- 
sche auf.” Danach lief die Revolution aber ziemlich eigenständig ab, 
wenn auch parallel zu den anderwärtigen Vorgängen. 
Immerhin besprach sich Peter Kaiser im Sommer 1848 in der Pauls- 
kirche mit vielen auswärtigen Abgeordneten über den von Liechtenstein 
einzuschlagenden Revolutionsweg. Manche rieten ihm, die Liechten- 
steiner sollten »eine Republik machen«. Doch Kaiser, der zwar grund- 
sätzlich republikanisch dachte, meinte skeptisch, dazu müsste das Volk 
42 Menzinger an Fürst, 23. März 1848. HALW 1863/10370 (1848/4079). — Vgl. Geiger, 
Geschichte, S. 57. 
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