Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
cop. 1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083886/21/
»So ergreift auch uns die Bewegung, welche ganz Deutschland durchzuckt« 
Gerade Peter Kaiser trug zur Vertiefung des politisch-historischen 
Bewusstseins in seiner Heimat Entscheidendes bei. Er arbeitete nämlich 
seit Ende der 1830er Jahre an einer »Geschichte des Fürstenthums Liech- 
tenstein«, welche im Herbst 1847 in Chur erschien.?® Darin kam er zum 
Schluss, dass seit der Ubernahme des Lindchens durch die Fiirsten von 
Liechtenstein — vor damals rund 150 Jahren — die alten Rechte und Frei- 
heiten geschwunden, Bevormundung und Lasten driickender, die Sitten 
schlechter geworden seien.?” Wohltaten, schrieb Kaiser, auf Alois’ II. 
Landeshilfe anspielend, steuerten nur voriibergehender Bedringnis, 
bráchten aber »keine dauernde Verbesserung der Volkszustände«, hiezu 
bedürfe es »anderer Massregeln«.?? 
Der Landvogt belegte denn Kaisers Geschichtswerk beim Erscheinen 
im Herbst 1847 sogleich mit Beschlag, es sei für das Volk nicht geeig- 
net.? Und die Wiener Hofkanzlei sah in Kaisers Werk schweizerischen 
Geist wehen, besonders zur neueren Zeit seien die Farben »etwas stark« 
aufgetragen, einseitig nur die Schattenseiten hervorgehoben, alle Wohl- 
taten übergangen; das Buch sei »den Keim zur Unzufriedenheit zu näh- 
ren fáhig«. Dennoch empfahl die Hofkanzlei dem Fürsten, von einem 
Verbot abzuschen, da ein solches nur die Neugier darauf lenke.' Fürst 
Alois urteilte, »wahrhaft Aufgeklárte« kónnten die Einseitigkeit von Kai- 
sers Geschichtsdarstellung selber erkennen, er liess das Buch freigeben, 
mit der Einschränkung, »dieses seichte Product« dürfe nicht öffentlich 
angeboten und nicht für die Schulen gebraucht werden.*! 
Heute würde man Kaisers Werk, das gründlich aus den Quellen ge- 
arbeitet ist, als »Geschichte von unten« bezeichnen. Kaiser hatte seinen 
Landsleuten das geliefert, was sie, wie er im Vorwort schreibt, oft von 
ihm gewünscht hatten: »Sie móchten wissen, woher sie stammen, wie es 
ihren Vorfahren ergangen und wie sie in den Stand gekommen, in dem 
sie sich dermal befänden.« Erklärung der Gegenwart aus der Geschichte 
bot Kaiser. Revolutionäres Bewusstsein klärte sich, erhielt ein Funda- 
ment durch historische Begründung. 
36 Peter Kaiser, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus 
Chur-Rätien’s Vorzeit, Chur 1847 (Reprint Ruggell 1983 sowie neu herausgegeben 
von Arthur Brunhart in zwei Bänden [I: Text, II: Apparat], Vaduz 1989). 
37 Kaiser, Geschichte, S. 500 ff. 
38 Kaiser, Geschichte, S. 503. 
39 Oberamt an Hofkanzlei, 18. Dez. 1848. HALW 1848/605 (1847/13658). 
40 Vortrag der Hofkanzlei beim Fürsten, 31. Dez. 1847. Ebd. 
41 Fürstliche Resolution, 11. Jan. 1848. Ebd. — Vgl. Geiger, Geschichte, S. 47 £. 
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