Herausgeber:
Sonstige universitäre Einrichtungen
Erscheinungsjahr:
cop. 1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083886/14/
  
   
Peter Geiger 
zösischen Revolution geboren, hatte in Feldkirch und Wien das Gym- 
nasium absolviert, danach in Wien und dann in Freiburg im Breisgau Ge- 
schichte und Sprachen studiert, worauf er ab den 1820er Jahren Lehrer 
bei Fellenberg, bei Pestalozzi, an den Kantonsschulen Aarau, Disentis 
und Chur war. Ihn hatten die Liechtensteiner schon 1840 mit einer De- 
legation zum Fürsten nach Wien geschickt, und ihn rief man 1848 vom 
Lande aus, als hier die Unruhen ausbrachen, sogleich herbei. Er kam un- 
ter der Bedingung, dass alle Unordnung vermieden werde. Er leitete die 
Ausschüsse, entwarf deren Adressen, entwarf eine Verfassung und ver- 
trat das Lindchen von Mai bis September 1848 in der Paulskirche. Peter 
Kaiser politisierte im Sinne der Aufklärung und des radikalen Liberalis- 
mus, mit dem er zugleich in romantischer Weise die vorabsolutistischen 
Zustánde verband. Kaiser spielte 1848 zeitweilig auch mit dem republi- 
kanischen Gedanken für Liechtenstein, verwarf ihn allerdings alsbald 
wieder. Er drángte auf ausgedehnte Grundrechte, móglichste Autono- 
mie des Volkes und der Gemeinden sowie Einschrinkung der fürstli- 
chen Gewalt, der er zum Beispiel nur noch ein suspensives Vetorecht zu- 
gestehen wollte. Zentral war ihm die Hebung der Schulbildung. 
Der Arzt Dr. Karl Schädler (1804—1872)"* war in der Revolutionszeit 
nicht nur Peter Kaisers Stellvertreter, sondern zugleich im Lande selber 
rastlos tätiger Organisator der Ausschuss- und Verfassungsratssitzungen, 
in denen er die Hauptarbeit leistete. Er war in Eschen geboren, 10 Jahre 
jünger als Kaiser, 1848 44 Jahre alt. Nach dem Gymnasium in Feldkirch 
absolvierte er in Wien das Philosophicum sowie den grössten Teil des Me- 
dizinstudiums, welches er 1830 in Erlangen abschloss. Er praktizierte bis 
1837 in Ems bei Chur, danach in Vaduz. Karl Schädler vertrat Liechten- 
stein von Januar bis April 1849 in der Frankfurter Paulskirche, präsidierte 
den ersten konstitutionellen Landrat ab 1849. Er war nach der Schaffung 
der 1862er Verfassung auch der erste liechtensteinische Landtagspräsident. 
Der Arzt Dr. Josef Ludwig Grass (1789—1860)'° war 1848 bereits 59 
13 Arthur Brunhart, Peter Kaiser 1793-1864. Erzicher, Staatsbiirger, Geschichtsschrei- 
ber. Facetten einer Persönlichkeit, Vaduz 1993. — Peter Geiger (Hrsg.), Peter Kaiser 
als Politiker, Historiker und Erzieher (1793 — 1864). Im Gedenken an seinen 200. 
Geburtstag. Beiträge von Arthur Brunhart, Peter Geiger, Ursula Germann-Müller, 
Dieter Langewiesche, Volker Press (LPS 17), Vaduz 1993. — Jörg Germann, Peter Kai- 
ser im Lichte der Nachwelt. Versuch einer Rezeptionsgeschichte, in: JBL 94 (Vaduz 
1997), S. 183-218. — Quellen und weiterführende Literatur zu Peter Kaiser in diesen 
Werken. 
14 Rudolf Rheinberger, Liechtensteiner Árzte des 19. Jahrhunderts, in: JBL 89 (Vaduz 
1991), S. 19-112, zu Dr. Karl Schádler die Seiten 45—78. — Vgl. Geiger, Geschichte. 
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