Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/58/
Religionsfreiheit aus katholischer Sicht adiunctis». Dem Konzil war bewusst, dass sich das Verhältnis von Kirche und Staat je nach Land, Geschichte und Kultur anders gestaltet und sich mit dem kontinuierlichen Wandel von Gesellschaft, Staat und Kirchen selber auch stetig fortentwickelt und fortentwickeln muss, soll die Kooperation für alle sinnvoll bleiben. Dieser Wandel vollzieht sich aber je nach Ort und Zeit verschieden und unterschiedlich schnell. Dem soll Rechnung getragen werden und darum hat sich das Konzil auch nicht auf ein bestimmtes Kooperationsmodell festgelegt. Wird der «Sitz im Leben» gewiss nicht nur, aber gerade auch im Kirche-Staat-Verhältnis nicht beachtet, so wird mehr Schaden als Nutzen gestiftet. Die konsequente Nicht-Beachtung dieser vom Konzil angemahnten Maxime durch den Vatikan bei der Errichtung des Erzbistums Liechten­ stein muss leider als krasses negatives Schulbeispiel gelten: Verletzung von Völker- und Staatsrecht und damit, entgegen anderweitiger Beteue­ rungen, auch Verletzung von Kirchenrecht,8 Missachtung der bislang ge­ pflogenen guten Beziehungen und in der Vorgehensweise eine kaum zu überbietende Brüskierung von Volk und Regierung. Auch was die inner­ kirchlichen Belange angeht, wurde in keiner Weise auf die ortskirch­ lichen Gegebenheiten Rücksicht genommen: Das Dekanat und seine Gläubigen wurden nicht konsultiert. In der Bistumserrichtung einen Akt grosser pastoraler Klugheit und Weitsicht zu sehen, wie dies in den offiziellen Schreiben aus Rom nachzulesen ist, unterliegt - milde gesagt - beträchtlichen Zweifeln. Bedingungen der Zusammenarbeit Das vom Konzil in Abkehr zur bisher geltenden Lehre und Praxis neu bestimmte Verhältnis von Kirche und Staat kann nur verwirklicht wer­ den, wenn eine Reihe von Bedingungen eingehalten werden, und zwar sowohl von Seiten der Kirche wie des Staates. Auf Seiten des Staates gilt es, dem Grundrecht der Religionsfreiheit im vollen Umfang und in allen Konsequenzen Geltung zu verschaffen, d.h. die Kooperation mit der Kirche muss mit seinem Wesen als säkularem Staat vereinbar sein. Das bedeutet ein Doppeltes: 8 Vgl. CIC (Codex Iuris Canonici) Can. 3-5. 59
        

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