Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/37/
Carl Hans Brunschwiler erhebungsrecht stellt die Kirchenfinanzierung zwar auf eine breite Grundlage, zugleich aber befinden sich die so aufgebrachten Finanz­ mittel in der Hand nicht der Amtskirche, sondern in der Verfügungs­ macht der Kirchgemeinde (bzw. der Kantonalkirche). Ausserdem sind Träger des Kirchenvermögens in diesem System die Kirchgemeinden, die als kantonale Spezialgemeinden der bischöflichen Einflussnahme grundsätzlich entzogen sind. Pfarrwahl und andere Mitwirkungs­ rechte des Kirchenvolkes (Wahl der Synodalen, Beschlussfassung über Ausgaben) mögen aus staatlicher bzw. kantonalkirchlicher Sicht demokratische Strukturen und auch einen gewissen Schutz der Katholiken vor ihrer eigenen Kirche sicherstellen, führen aber ein fremdes Element in die katholische Kirchenorganisation ein.» Kantonalkirchen Viele Kantone, vorab die reformierten und paritätischen, kennen her­ kömmlicherweise neben den Kirchgemeinden landeskirchliche Organi­ sationen, die neuerdings auch in ursprünglich katholischen Kantonen übernommen werden. Der Ausdruck «Landeskirche» oder «Kantonalkirche» mag zwar - im Blick auf die katholische Konfession - terminologisch nicht besonders glücklich sein, ist aber für die staatskirchenrechtliche Organisationsform unterschiedlicher Konfessionen auf kantonaler Ebene durchaus ge­ bräuchlich. Damit ist keineswegs eine «Nationalkirche» gemeint.27 Der Zweck einer Landeskirche besteht in der Zusammenfassung der Konfessionsgenossen eines Kantonsgebiets in einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.28 Dabei macht es praktisch keinen Unterschied, ob die Kirchgemeinden (und mit ihnen deren Mitglieder) zur Landeskirche (im Sinne eines Kirchgemeindeverbandes) zusammengefasst werden 27 Andere Bezeichnungen finden sich z.B. in St. Gallen: «Katholischer Konfessionsteil» (früher «katholischer Kantonsteil»), Jura: «Collectivite catholique», Fribourg: «Corpo­ ration ecclesiastique cantonale». Im Kanton Zürich wird die kantonale staatskirchliche Organisationsstufe der Katholiken als «römisch-katholische Körperschaft» bezeichnet (im Gegensatz zur evangelisch-reformierten Landeskirche; gegen die Verwendung des Begriffs «Kirche» oder «Landeskirche» für die römisch-katholische Kantonalorganisa­ tion wehrten sich sowohl Katholiken als auch Protestanten). 28 Urs Josef Cavelti, Die öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften im schweizeri­ schen Staatskirchenrecht. Freiburg/Schweiz 1954, S. 48. 38
        

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