Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/335/
Finanzierungsmodelle Die Frage, ob das heroische Leben der Armut von zwei Generationen, von Priestern in Frankreich zu einer Verlebendigung und zu einer grös­ seren Anziehungskraft der Kirche geführt habe, wird von Kennern der Situation skeptisch beantwortet. Der junge Klerus strebt bisweilen nach einer angemessen bezahlten Arbeit auf dem Wege über einen zweiten, weltlichen Beruf, wodurch der primär angestrebte priesterliche Dienst beeinträchtigt wird. Die kirchlichen Hochschulen für katholische Theologie, die an die Stelle der fehlenden katholisch-theologischen Fakultäten an den staat­ lichen Universitäten getreten sind, sind nicht in der Lage, ihren Dozen­ ten eine angemessene Besoldung zu bieten, die es ihnen erlauben würde, ihre gesamte Zeit der Lehre und Forschung zu widmen. Sie besitzen daher auch keine Attraktivität für wissenschaftlichen Nachwuchs. So versteht es sich, dass allgemein eine zeitgerechte Neuordnung des Finanzwesens der katholischen Kirche in Frankreich für dringend not­ wendig, aber doch für nur schwer realisierbar gehalten wird. Erwähnt sei hier noch der finanzielle Sonderstatus von Kultgebäuden und kirchlichen Privatschulen. Der Staat hat sich die Kirchen, die schon vor 1905 bestanden, angeeignet und trägt jetzt auch - das ist seine eige­ ne Schuld, aber auch ein Stück seiner denkmalpflegerischen Verantwor­ tung - die finanzielle Last ihrer Erhaltung. Dies nutzt den Religionsge­ meinschaften, denen der Staat die Kirchen kostenlos zur Verfügung stellt. Der grossen Zahl der kirchlichen Privatschulen fliessen vor allem seit dem sog. Gesetz Debre aus dem Jahre 1959 erhebliche finanzielle Subventionen zu, die aber auch eine Ausweitung staatlicher Kontrolle zur Folge hatten. Hier bleibt allerdings anzumerken, dass die Anhänger der Freien Schulen seit dem Jahre 1981, als die Linksparteien die Mehr­ heit in der Nationalversammlung erhielten, unter der früheren linksori­ entierten Regierung und dem Präsidenten und Sozialistenführer Mitterand, einen starken Rückschlag befürchteten in Gestalt einer Ein­ gliederung der Privatschulen in das Staatsschulwesen, der aber infolge starker Beunruhigung in der Bevölkerung bisher nicht eingetreten ist. Die Sozialisten Frankreichs haben jedenfalls einen mächtigen linksmar­ xistischen Flügel, der anachronistisch das kirchenfeindliche laizistische Erbe dieser Partei weiterhin pflegt. 343
        

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