Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/248/
Diskussionsbeitrag Unsere Diözese ist manifesterweise zu klein, um lebensfähig zu sein, ist ein extrem künstliches Gebilde, ein Zwangsprodukt, eine Art Offshore- Station. Aus der Vielzahl ausländischer Reaktionen nur eine oder zwei: Von «Operettenbistum» ist die Rede. Von einer «gewissen Ridikülität» spricht der vorsichtige Walter Gut. Wir sind auf dem Wege, eine Lach­ nummer zu werden. Ich habe es selber bei der Rektoratsrede an einem Hochschultag vor grossem Publikum erlebt. Gewiss, was das Ausland über uns sagt, braucht uns nicht zu kümmern. Aber wenn zu viele lachen, dann ist das ernst zu nehmen. Auch der Hl. Stuhl hat uns im Grunde nicht ernst genommen. Nicht einfach «verkleinert» wurden wir. Nicht eine Teilkirche, höchs­ tens ein Ellbogen ist aus dem Organismus herausamputiert worden. Und sagen Sie dem Ellbogen, er sei nun eine «organische Einheit», und ein «lebensfähiger Organismus» mit vielerlei Charismen gemäss dem II. Vatikanum. Rom habe entschieden, so verlautet. Wenn McDonald's in der Zentrale entscheide, sei die Sache eben entschieden. Und auch, im Zusammenhang mit der Verwendung von Spendengeldern wörtlich: Dies sei der «Kaffee» der Kirche. Ist das so? Es ist auch unsere Sache. Es ist auch unser «Kaffee». Das beschäftigt uns. Das Zwangsprodukt von Mini-Diözese kann, völlig willensunabhän­ gig und unabhängig nicht nur von den pastoraltheologischen Vorgaben her, sondern m.E. auch rein soziologisch nicht funktionieren. Für einen Bischof ist die Lage nicht angenehm, und jeder Nachfolger muss es als Strafurteil empfinden, zum Bischof über die 10 Pfarreien ernannt zu werden. Wird es ein Liechtensteiner sein - dessen Familie man aus der Nähe kennt - oder muss besser ein Ausländer her, was auch nicht nor­ mal ist, ein Nichtliechtensteiner! Entschuldigen Sie diese Fragestellung. Entgegen der generellen Entwicklung zu grösseren Räumen hat die Kappung unseres Landes aus dem unangefochtenen, bewährten überna­ tionalen Verband eine nationalistische Note bekommen, wie Günther Boss schreibt. Wir sind auch aus der wohltuenden schweizerischen Bischofskonferenz herausisoliert worden. Auch aus der Mitwirkung bei der Bischofsbestellung in Chur, wo wir gemäss Dekret «Etsi salva» über das Domkapitel gewisse Mitspracherechte hatten. Die moderierenden Zwischenstrukturen sind weg. Wir sind direkt unter dem Hl. Stuhl, eine Art Dependance geworden. 255
        

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