Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/172/
Liechtenstein im Bistum Chur Pfarrei. Dass die Grenze des neuen Bistums Konstanz nicht südlicher gezogen wurde, beispielsweise auf St. Luzisteig, hatte wohl auch sprach­ liche Gründe. Die Alemannisierung war vorangekommen, aber in den bei Chur verbleibenden rheintalischen Landschaften - Liechtenstein ein­ geschlossen - war die deutschsprachige Bevölkerung noch in der Minderheit. 1416 hatte Bischof Hartmann II. von Chur, der letzte aus dem Ge­ schlecht der Werdenberger und Graf von Vaduz, diese Grafschaft den Freiherren von Brandis aus dem Emmental abgegeben, die ihrerseits 1434 die Herrschaft Schellenberg erwarben, wodurch das spätere Fürs­ tentum seine Konturen gewann. Aus diesem Geschlecht ging ein Bischof hervor, Freiherr Ortlieb von Brandis, Bischof von Chur (1458-1491). Er galt als Humanist und Kunstliebhaber. Sein Sarkophag befindet sich in der Churer Kathedrale. Im Schwabenkrieg 1499 wurde das liechtenstei­ nische Gebiet Kriegsschauplatz. Obwohl bernischer Herkunft, optierte die Grafschaft für Osterreich. Die Eidgenossen brandschatzten den herrschaftlichen Sitz in Vaduz und die Dörfer der Umgebung. Diözesangrenzen waren im Mittelalter meist stabil. Die Reformation brachte den Churer Bischofssitz in erhebliche Gefahr. Die Stadt Chur und die Mehrheit des Gotteshausbundes wurden reformiert. Mark Sit­ tich von Hohenems, von 1561 bis 1589 Bischof von Konstanz, plante einen Vorstoss nach Süden in der Absicht, die kritische Lage des Churer Bistums für sich zu nutzen. Das hätte für die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg einen Bistumswechsel ergeben können. Aber aus diesen Absichten wurde nichts.2 1719/20 kam es zu einem heftigen Konflikt zwischen dem Churer Fürstbischof und der Grafschaft Vaduz mit der Herrschaft Schellenberg. Es ging dabei um den sog. Novalzehnten, das heisst um den Zehnten von neu angelegten Ackern. Dieser gehörte zum Einkommen des Klerus. Graf Franz Wilhelm von Hohenems hatte die Hälfte dieses Zehnten ver­ langt. In die gleiche Kerbe hieben die Fürsten von Liechtenstein, die 1699 die Herrschaft Schellenberg und 1712 die Grafschaft Vaduz über­ nahmen. Der fürstliche Verwalter setzte die Forderung rigoros durch. Der Bischof von Chur kam dem Landesklerus zu Hilfe, mahnte den 2 Wolfgang Müller: Zur Kirchen- und Pfarreigeschichte, in: 
Wolfgang Müller (Hrsg.): Das Fürstentum Liechtenstein. Ein landeskundliches Portrait, Bühl/Baden 1981, S. 33-62, S. 35. Angaben zu Bischof Ortlieb von Brandis von Georg Malin. 179
        

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