Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/149/
Rene Pahud de Mortanges Gerade weil diese Mitwirkungsrechte Dritter eine Grundlage im gel­ tenden Recht haben, ist es also falsch, in ihnen einen Widerspruch zum Wesen der katholischen Kirche zu sehen. Denn sonst müsste man davon ausgehen, dass die katholische Kirche Normen erlässt, die ihrer eigenen Ekklesiologie nicht entsprechen. Zwar hat die römisch-katholische Kirche im 20. Jahrhundert die freie Amtsübertragung favorisiert - der Codex Iuris Canonici von 1917 (CIC/1917) enthielt eine Bestimmung (c. 1450 § 1), welche die Errichtung neuer Patronate für die Folgezeit unter­ sagte gleichwohl anerkannte und anerkennt sie aus einem bemerkens­ werten Respekt vor den historisch gewachsenen Rechtsverhältnissen nach wie vor die gebundene Amtsverleihung. Das zeigt sich auch in der Ausführungsgesetzgebung zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Art. 31 des Konzilsdekretes über die Hirtenauf­ gabe der Bischöfe in der Kirche 
Christus Dominus forderte zwar, dass alle Vorschlags-, Ernennungs- und Vorbehaltsrechte abgeschafft werden sollten,14 das darauf aufbauende päpstliche Motu Proprio 
Ecclesiae Sanctae von 1966 schränkte das dann aber ein auf jene Mitwirkungs­ rechte, denen keine konkreten Leistungen seitens des Berechtigten ge­ genüberstehen (sog. 
privilegia non onerosa)}5 Das ist bei Mitwirkungs­ rechten, die auf Patronatsverhältnissen beruhen, in der Regel nicht der Fall, denn dort hat der Patron kirchenrechtlich ganz konkrete Leistungs­ pflichten.16 Er hat nicht nur Kirche und Pfarrhaus zu unterhalten, er muss auch für den Lebensunterhalt des Pfarrers aufkommen, wenn, was wohl meistens der Fall ist, die Pfrundgüter dazu nicht mehr ausreichen (c. 1469 § 1 CIC/1917). In Liechtenstein ergeben sich diese finanziellen Pflichten der Gemeinden nicht nur aus Kirchenrecht, sondern auch aus staatlichem Recht. 14 Vgl. den Text in: Lexikon für Theologie und Kirche (2. Aufl., Freiburg 1968), Das Zweite Vatikanische Konzil, Bd. II, S. 215. 15 Acta Apostolicae sedis 58 (1966), S.757-787. 16 Bei Patronaten schloss das Motu Proprio daher eine einseitige Aufhebung durch den Bischof aus: vgl. 
Heinz Ewers, Hat das II. Vatikanische Konzil die Vorrechte der Patro­ ne, insbesondere das Präsentationsrecht, aufgehoben? In: Ius Sacrum. Festschrift Klaus Mörsdorf, hrsg. von 
Audomar Scheurmann/Georg May, München S. 319-322; 
Walter Doskocil, Zur Frage des Patronatsverzichtes in Osterreich, in: Archiv für katholisches Kirchenrecht 139 (1970), S.443-459; 
Charles Lefebvre, De iure patronatus deque iuri- bus praesentationis, nominationis, electionis secundum MP Ecclesiae Sanctae, in: Monitor Ecclesiasticus 93 (1968); S. 345-352. Unbelastete Privilegien hatte, wie S. 152 dargestellt, (für Eschen, Triesenberg, Ruggell und Vaduz) S.D. der Landesfürst inne, ebenso (für Schaan) das Domkapitel von Chur sowie (für Schellenberg) die Missionare vom Kostbaren Blut. 154
        

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