Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1999
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000083525/138/
Pfarrei und Gemeinde am Beispiel Vaduz jede Mitsprache bei der Nutzung von Kirchenräumen (Kirchenkonzerte u.a.) oder über die Verwendung anderer pfarreilicher Bauten, Vermögen und Einkünfte ausgeschlossen. Sämtliche Vermögenswerte und Kompe­ tenzen wären in den innerkirchlichen Bereich gelegt. Für der Pfarrei angehörige Laien und allfällige Steuerzahler wären Mitsprache- und Kontrollrechte weitgehend verloren. Es verblieben nur marginale Rechte einzelner ausgewählter Laien. Die Abtretung der von der Ge­ meinde beigebrachten Vermögenswerte an die neuen kirchenrechtlichen Personen und Organe käme einem revolutionären Vorgang gleich, zu­ mindest einer Rückkehr in die Zeit vor der Kuratie- und Pfarreierrich­ tung. Weder eine Vermögensverwaltung durch die erzbischöfliche Zen­ tralkasse noch durch den ortskirchlichen Verwaltungsrat gibt den Pfar­ reiangehörigen irgendwelche Kontroll- und Mitwirkungsrechte, wie sie heute rechtlich gegeben sind. Wenn aber der Kirche öffentliche Beiträge und die Erhebung von Steuern zuerkannt werden, müssen in einem demokratischen Staat solche Rechte gesichert sein. Der absolute Selbst­ bestimmungsanspruch der Amtskirche mit ihren hierarchischen Struk­ turen steht demokratischen Mitwirkungsrechten des Volkes entgegen. Nicht nur die 
Zuständigkeit der Gemeinde für das Kirchenwesen, sondern ebenfalls die Pfarreigemeinde in der heutigen Rechtsform müss- ten aufgehoben werden. Alle heute von der Gemeinde und vom Kir­ chenrat wahrgenommenen vielfältigen Aufgaben im Bereich des Kirchenwesens müssten neu geregelt werden. Dazu zählen der Bau und Unterhalt der Kirchen- und Pfrundgebäude und die Verwaltung des Kir­ chen- und Pfrundvermögens. Eine solche Neuregelung wirft viele Fra­ gen und Probleme auf. Wohin geht das 
Kirchen- und Pfrundvermögeni Wer übernimmt die Leistungen der Gemeinde? Die Uberführung der Vermögensmassen der bisherigen Rechtsträger Pfarrpfründe oder Pfarrkirche in die neue Rechtsperson der Pfarrei gemäss Kirchenrecht wird kirchlicherseits lediglich als Vereinigung von juristischen Personen im Zuge der Umset­ zung des neuen Kirchenrechts verstanden. Aus staatlicher Sicht ist diese Auffassung nicht haltbar. Es muss jedenfalls, da es sich um verschiedene Rechtsträger handelt, eine formelle Übertragung stattfinden.44 Das höchste Organ der politischen Gemeinde, die Gemeindeversammlung, die die Errichtung der Pfarrei beschlossen und Pfrund wie Pfarrkirche u Handbuch des Vermögensrechts (Fn 27), S. 399. 143
        

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