Einführung der Verfassungsgerichtsbarkeit die zeitliche Verzögerung dürfte in der Tatsache zu suchen sein, dass beide beruflich, und Dr. Wilhelm Beck zusätzlich durch sein politisches Mandat, sehr in Anspruch genommen waren.69 So ist dem Kommis­ sionsbericht zu entnehmen, dass der Entwurf "infolge Arbeitsüber­ häufung der Behörden und des Verfassers zur verfassungsmässigen Behandlung dem Landtag erst (jetzt) unterbreitet" werden könne. Dieser Hinweis ist sicher nur einer der Gründe. Die Konzeption des Staatsgerichtshofgesetzes dürfte den Verfassern ohne Zweifel grosse Mühe bereitet haben. Es konnte nicht auf ein einschlägiges historisches Vorbild zurückgegriffen werden. Es handelte sich bei der Verfassungs­ gerichtsbarkeit um eine eigentliche "Neueinführung".70 Entsprechende Erfahrungen fehlten. Die Gründe sind also mannigfach. Es bestanden zwar in Osterreich auf Verfassungs- und Gesetzesebene einschlägige Regelungen. Sie Hessen sich aber insgesamt nicht auf die liechtensteini­ schen Verhältnisse übertragen und stimmten auch in weiten Teilen nicht mit den Vorstellungen des liechtensteinischen Gesetzgebers überein. Zu mehr als vereinzelten Nachbildungen ist es denn auch nicht gekommen. Es bleibt daher festzuhalten, dass es in der liechtensteinischen Rechts­ tradition bis dahin keine dem Staatsgerichtshof nur annähernd ver­ gleichbare Institution gegeben hat. Der Gesetzgeber musste Neuland betreten, so dass sich Otto Ludwig Marxer noch vor Erlass des Gesetzes zur Bemerkung veranlasst sah, dass über das zu "erlassende, ausführ­ liche Gesetz" in "massgebenden Kreisen noch völlige Unklarheit" herr­ sche. Oft sei durch die Presse im Volk der Verdacht laut geworden, dass das "Gesetz über den Staatsgerichtshof aus (partei)politischen Grün­ den71 nicht erlassen werde", also eine absichtliche Verzögerung vor­ liege.72 In diesem Falle dürfte jedoch, wie er mutmasst, eine "gesunde Mischung beider Ansichten (. ..) der Wahrheit am nächsten kommen". In den Augen von Otto Ludwig Marxer erschwert auch der "fragmen­ tarische" Charakter73 der Verfassungsbestimmungen den Zugang zu 69 Dr. Wilhelm Beck als Landtagspräsident und Rechtsanwalt; Dr. Emil Beck als Gesand­ ter des Fürstentums Liechtenstein in Bern und als Professor an der Universität Bern. 70 So Otto Ludwig Marxer, Die Organisation der obersten Staatsorgane in Liechtenstein, S. 79. 71 Dr. Emil Beck wurde erster Präsident des Staatsgerichtshofes. 72 Otto Ludwig Marxer, Die Organisation der obersten Staatsorgane in Liechtenstein, S. 79 f. 73 Otto Ludwig Marxer, Die Organisation der obersten Staatsorgane in Liechtenstein, S. 79 f. 46
        

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