Gegenstand, Umfang und Massstab der Normenkontrolle Widrigkeit einer Norm.348 Es ist Aufgabe des Staatsgerichtshofes, im Rahmen von Art. 104 Abs. 2 der Verfassung bei der Überprüfung in­ nerstaatlicher Normen auf ihre Übereinstimmung mit Staatsverträgen eine Feststellung über den Rang dieses als Prüfungsmassstab beigezo­ genen Staatsvertrages zu treffen. So hat er in StGH 1978/8349 das Ab­ kommen zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweizeri­ schen Eidgenossenschaft über die Alters-, Hinterlassenen- und Invali­ denversicherung vom 3. September 1965350 auf der Stufe eines Landes­ gesetzes angesiedelt und ausgesprochen, dass Art. 83 der Verordnung zum Gesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung gesetz­ widrig und im Sinn der Prüfung durch den Staatsgerichtshof aufzuhe­ ben sei, da diese Bestimmung eindeutig Art. 2 und Art. 3 Abs. 1 des vorerwähnten Abkommens widerspreche. Wird Staatsverträgen vom Staatsgerichtshof Verfassungsrang zuer­ kannt, schliesst die Kompetenz zur Prüfung der Verfassungsmässigkeit auch jene der Entsprechung und des Geltungsranges gegenüber völker­ rechtlichen, in Liechtenstein auch auf Verfassungsstufe stehenden Rechtsvorschriften ein.351 Eine Regelung darüber, welchen Rang Staats­ verträge im innerstaatlichen Recht einnehmen, enthält die liechtensteini­ sche Rechtsordnung nicht.352 In StGH 1995/21353 weist der Staatsge­ richtshof der Europäischen Menschenrechtskonvention "faktisch" Ver­ fassungsrang zu. Er bezieht sich dabei auf Art. 23 Abs. la StGHG, wonach die Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention einer Verletzung eines Grundrechts der Verfassung gleichgestellt wird und mit Verfassungsbeschwerde beim Staatsgerichtshof angefochten 348 StGH 1989/8, Urteil vom 3. November 1989, LES 2/1990, S. 60 (63). Im Fall von StGH 1996/34, Urteil vom 24. April 1997, LES 2/1998, S. 74 (80), ging es um die materielle Behandlung der Rüge eines Beschwerdeführers, wonach das neue Treuhändergesetz ge­ gen den EWR-Vertrag Verstösse. Neu soll die Staatsvertragsprüfung in Art. 21 und 22 des noch nicht sanktionierten Staatsgerichtshof-Gesetzes geregelt werden. 349 StGH 1978/8, Entscheidung vom 11. Oktober 1978, LES 1981, S. 5 (7). 350 LGB1 1966 Nr. 13. 351 StGH 1993/18 und 19, Urteil vom 16. Dezember 1993, LES 2/1994, S. 54 (58). 352 So der Bericht der Regierung vom 17. November 1981 zum Postulat betreffend die Überprüfung der Anwendbarkeit des Völkerrechts im Fürstentum Liechtenstein, S. 9. Vgl. auch Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechtsordnung, S. 27 f., und Hilmar Hoch, Verfassung- und Gesetzgebung, S. 208 f. 353 StGH 1995/21, Urteil vom 23. Mai 1996, LES 1/1997, S. 18 (28). Vgl. auch StGH 1996/34, Urteil vom 24. April 1997, LES 2/1998, S. 74 (80). 292
        

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